Es ist wieder so weit:

Folge 4: Beam me up Pinky

Während Pinky auf unserem Balkon die ersten Sonnenstrahlen eines schönen Maitages ausgestattet mit einer 3-cm dicken Schicht Sonnencreme auf seinem Fell quasi in sich aufsog, zerbrach ich mir bei einem cheese-on the-rocks (ihr müsst wissen, daß sich mein Großvater Marty McBrain in seiner Sturm-und-Drang-Zeit als Erfinder das Patent auf diesen köstlichen Long-Drink sicherte) den Kopf darüber, welcher phantastische, geniale, wenig-aufwendige und vor allem durchsetzungsfähige Plan die Weltherrschaft (zurück) in unser Haus bringen könnte.
Innerlich ärgerte ich mich, daß stets ich es war, der sich diese Pläne ausdenken, ja aus den Mäusefingern saugen musste, warum konnte sich Pinky nicht wenigstens ein einziges Mal zumindest anteilig (von der Entwicklung eines ganzen Plans wage ich ja erst gar nicht zu träumen) einbringen?! Aber wenn ich es mir recht überlege, was wäre Batman ohne Robin, Adam ohne Eva oder Dick ohne Doof?
O.K., es musste also eine Idee her, eine gute, eine zündende Idee. Die Neuronen in meinem Gehirn hatten alle Hände voll zu tun, denn jeder Gedanke, der mir durch den Kopf ging, wollte ja gedacht werden. Während gerade zwei drittel des Glases den Aufenthaltsort wechselten (sprich: ich nahm einen kräftigen Schluck) war es (wieder) soweit:
Die Anhäufung von verschiedenen Einzelheiten formierten sich im Kleinhirn zu einem Ganzen - zu einem Plan. Ich hatte mir folgendes überlegt: die Menschen haben doch immer solch eine blühende Phantasie. Viele glauben an außerirdisches Leben; sie glauben an die Existenz eines Planeten, der eine erdähnliche Entwicklung genommen hat und der zwar Milliarden Lichtjahre entfernt sein könnte, aber auf dem sich auch eine Spezies intelligenter Lebewesen (von welcher Gestalt auch immer) » in allerlei Science-Fiction Serien lassen die Produzenten und Zeichner ihren Vorstellungsmöglichkeiten freien Lauf » herausgebildet haben könnte. (der Konjunktiv ist an dieser Stelle auf Grund der vielen pessimistischen, d.h. die gegenteilige Meinung vertretenden Fraktion auf jeden Fall angebracht)
Aber die große Frage, die diese Menschen beschäftigt, ist doch die: Vorausgesetzt, es gäbe solche Individuen, bestünde dann nicht die Möglichkeit, daß sie unserer Zivilisation weitaus überlegen sind? Die zweite Frage, welche sich sofort aufdrängt: Sind sie dann (wir nehmen an, wir finden sie oder sie finden uns) feindlich oder freundlich gesinnt??
Der Weltherrschaftsplan sollte nun darin bestehen, daß wir uns diese (durchaus begründeten) Ängste der Menschen zunutze machen wollten. Ein übergroßer Hohlspiegel, welcher (natürlich rein zufällig) genau auf die sich auf der Erdumlaufbahn befindlichen Überwachungssatelliten gepeilt werden würde, könnte doch (wenn er mit den entsprechenden Informationen gefüttert wird) eine Übertragung von Bildern aus unserem Labor auf die Bildschirme der Überwachungscomputer realisieren. Das heißt im Klartext: Pinky und ich werden den Leuten genau das bieten, was sie haben wollen (oder auch nicht), sie werden nämlich eine außerirdische Nachricht von einer weit entfernten Zivilisation vom Planeten POPAB (kleines aber nicht schweres Rätsel nebenbei) bekommen, der drohen wird alles zu zerstören, falls sich die Menschen jeglichen Forderungen widersetzen. Die Menschen (ob nun aus Furcht, Respekt oder Neugier ist ja egal) werden alles tun, was wir verlangen.
Diese "Abhängigkeit" kann man aber auch durch ein anderes Wort ersetzen: Weltherrschaft !!
Dazu bedurfte es natürlich einiger Vorbereitung. Das Labor mußte "einfach" auf außerirdischen Look gebracht werden. Pinky, der sich von seinem Platz an der Sonne nicht so recht trennen wollte, der aber sofort mit anpackte, als ich ihm den Ernst der Lage eindringlich erklärte, besorgte allerlei bizarr-anmutende Dinge, die sich in letzter Zeit in unserem Labor angesammelt hatten und die dem Betrachter eine "ferne, fremde Welt" vorgaukeln sollten.
Der auf dem Balkon befestigte riesige Hohlspiegel (eigentlich bestand dieses "Ding" aus mehreren kleinen Spiegeln, die wir aus dem Glas von diversen Vitrinen, Scheiben usw. zusammengebaut hatten) mußte nur noch in Position gebracht werden, was nach einigen kurzen Berechnungen auch gelang.
Wenn man eben richtiges Organisationstalent mitbringt, arbeitet nicht nur einer, sondern jeder wird angewiesen, etwas zum Gelingen beizutragen. Oder, wie heißt es so schön in einem Sprichwort: "Viele Hände machen der Arbeit ein Ende!"
Nachdem die Vorbereitung getan war, konnten wir nun zur Ausführung unseres Plans schreiten. Ich hatte Pinky genauestens (mindestens 5 mal, der schnallt es eben nicht schneller) über seinen Part instruiert, ich wollte ja nicht, daß wieder etwas schief geht.
Der geneigte Leser wird sicherlich schon eine Vorahnung haben, und hätte mir sicher geraten Pinky ruhig ein sechstes Mal einzuweisen.
Sie werden sich fragen, was man an diesem Plan vermasseln kann!? Ich werde Ihnen das Wort sagen, welches uns ein weiteres Mal um die Weltherrschaft gebracht hat: Eitelkeit.
Als ich ein letztes Mal die Verbindung checkte und mich so langsam auf meinem "Herrschersessel" warmgesessen und den vorbereiteten Text noch einmal Probe gelesen hatte, wollte ich die Übertragung gerade starten, (was für ein herrliches Bild: auf allen Überwachungscomputern würde mein Angesicht zu sehen sein, und die entsetzten Gesichter der Menschen würden eine tiefgreifende Nachricht bekommen, die ihr Leben verändern würde) als ich ein grausames, ohrenbetäubendes Klirren vernahm, welches mich in meinem Sessel zusammenzucken ließ. Ich rannte schnell in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Und tatsächlich, meine schlimmsten Befürchtungen hatten sich bewahrheitet: "Narf. Tschuldigung Brain," krächzte es mir entgegen. Pinky saß auf einem riesigen Berg von Scherben, an dessen Stelle vor nicht allzu langer Zeit noch der so immens wichtige Hohlspiegel gestanden hatte. "Ich wollte nur noch schnell in den Spiegel sehen, ob mein Kostüm auch so richtig außerirdisch aussieht, aber weil wir (selbst im Bad) keinen Spiegel mehr haben, da dachte ich gucke mal schnell in den Hohlspiegel, und da ..." Den Rest kann man sich denken.
"Du hast den Hohlspiegel zerstört, du hast unseren gesamten Plan zunichte gemacht," brüllte ich ihm entgegen. Aber konnte man etwas anderes erwarten?? Dieser Frage bedarf es eigentlich keiner Antwort. Manchmal denke ich, der Mäusegott ist gegen uns.
Doch kaum hatte unser Labor (nach dem Aufräumen) seine ursprüngliche Gestalt wiedererlangt, packte mich der Ehrgeiz und ich wußte, daß der nächste Weltherrschaftsversuch nur eine Frage der Zeit sein würde ....

P.S. Die Wunden an Pinky waren bereits nach 3 Wochen verheilt!!

Für Eifrige: Im Text ist der Vorname des diesjährigen Landeseinzelmeisters der Männer versteckt. Er bildet sich aus den Anfangsbuchstaben von einigen aufeinanderfolgenden Wörtern! Viel Spaß beim Suchen!

Zurück zur Auswahl | Zum Seitenanfang