Es ist wieder so weit:

Folge 7: Deutschland sucht die Mäusestars

Hallo liebes Menschenvolk, ich grüße euch! Ein fröhliches "Narf" natürlich auch von Pinky, der sich gerade wundert, warum bei seinen 7 Überraschungseiern keine einzige Starwars-Figur dabei ist, obwohl doch immer von "jedem siebten Ei" gesprochen wird. "Spannung, Spiel und Schokolade", heißt es ja in der Werbung; bei Pinky ist es immer schon fragwürdig=spannend, ob er sich durch das Papier und die Schokolade bis zur gelben Plastikhülse vorkämpfen kann - eine wahre Freude ihm dabei zuzusehen. Euch ist natürlich längst aufgefallen, warum Pinky die FIGUREN haben will - genau, sie bestehen aus genau EINEM Teil, man muß nichts zusammenbauen. Dies wäre (ob mit oder ohne Anleitung ist dabei völlig nebensächlich) eine schier unlösbare Aufgabe für unseren jetzt vor einem großen Haufen voller Bauteile sitzenden, die von ihm selbst geplünderten Plastikhülsen mehrmals langsam von 1 bis 7 zählenden, sich kurz darauf ob der doch zwangsläufig auftauchenden, aber offenbar fehlenden Starwars-Figur (schließlich hat er doch 7 Stück gekauft!) am Kopf kratzenden Pinky. "Die Welt ist ungerecht!" scheint sein Gesichtsausdruck zu sagen.
Ja, liebe Freunde, wenn frohgemut der Schnee sich langsam verabschiedet, um den kraftvollen Farben des Frühlings Platz zu machen, werden auch bei uns Mäusen neue Kräfte geweckt. Viele neue Ideen, Pläne, Vorhaben schwirren im Kopf herum (OK, ich kann nur von mir reden bei Pinky bin ich mir dessen nicht so sicher). Zwangsläufig trifft das auch auf die Weltherrschaftspläne zu. Es dauert jedoch immer ein wenig, ehe sich mehrere Details zu einem Ganzen zusammengefügt haben. Etwas Durchführbares, Erfolgversprechendes muß einfach gut geplant und bedacht werden. Das geht nicht von jetzt auf gleich.
Seit mehreren Wochen schon waren alle Mäuse der Nachbarschaft in heller Aufregung. Ein bekannter Mäuse-Fernsehsender (ich möchte den Namen an dieser Stelle aus Gründen der Schleichwerbung schuldig bleiben; denn momentan haben Pinky und ich noch so eine Sache mit den Ü-Eiern am laufen ) hatte eine große Kampagne gestartet: "Deutschland sucht die Mäusestars". Dieses Format besaß den Anspruch aus hunderten (ach was sage ich, TAUSENDEN) talentierten Mäusen in einem wochenlangen und für jeden Teilnehmer ermüdenden Qualifikationsmarathon DIE Maus/oder DIE MÄUSE (es waren auch Gruppen erlaubt) herauszufiltern, die der neue Mäusestar am Musikhimmel werden sollte Dem Sieger bzw. der Siegerin stand danach wohl eine wahre Traumkarriere bevor. Geld, Macht, Ruhm, Bekanntheit sondergleichen - kurzum, man war ein Star, sollte man als Sieger aus dieser Veranstaltung hervorgehen. - Da kam mir plötzlich eine Idee.
Wenn es uns gelänge, vor einem Millionenpublikum aufzutreten, eine Masse zu begeistern, sie in den Bann zu ziehen, dann sollte es doch möglich sein, diese fanatischen Fans gefügig zu machen. Sie kaufen dann unsere CDs, T-Shirts, Aufkleber, Tassen, Bettwäsche, Poster, gehen auf unsere Konzerte, schreiben Kartons voller Fanpost - kurz: sie würden ALLES für uns tun. Damit sollte es doch ein leichtes sein, die Weltherrschaft an uns zu reißen, oder? Das schien mir ein geeigneter Plan zu sein. Also ran ans Werk. Doch wie und vor allem mit welchem Titel(n) sollten wir dort auftreten? Ich weihte Pinky, der sofort begeistert war, in die Sache ein und beschloss, sogleich mit dem Proben zu beginnen. Ein bisschen Wehmut kam in mir auf, als ich an meine Musik-Idole dachte: Bruce Mousesteen, die Gruppe Cheese oder Falco mit dem Titel "Rock me Mausoleum". Dieses Vorhaben war eine große Herausforderung für uns. Das stand außer Frage. Wir trauten uns aber schon zu, beim Wettbewerb vorn mitmischen zu können, und ein bisschen singen kann doch jeder oder? Die Vorrunden dieser Casting-Show überstanden wir mühelos. Diverse Songs von bereits berühmten Personen gaben wir zum Besten. Sicherlich, ein bisschen Fingerspitzengefühl sollte man bei der Auswahl schon haben, aber das war kein Problem. Alles lief wie am Schnürchen. Jeder war begeistert, die Rechnung schien aufzugehen. Eine gekonnte Mischung von Charme, Personality und gewiss auch ein wenig Talent ließen uns Runde für Runde überstehen. Wir waren schon richtig bekannt in Funk und Fernsehen! Dann stand das Finale vor der Tür. Ich hatte eigens dafür einen eigenen Song komponiert. Der sollte die gierige Meute restlos davon überzeugen, daß wir die Mäusestars werden würden. Unsere Konkurrenten im Finale waren eine Gruppe junger Mäuseherren, eine Boygroup sozusagen. Mädchen sind die energischeren Fans, hat mal jemand gesagt, deshalb räumte man uns kaum Chancen für den Sieg ein. Nach der "Performance" sollten die Zuschauer per Telefon entscheiden, wer der Gewinner ist. Die Boygroup lieferte eine lächerliche Vorstellung ab. Keineswegs die eines Mäusestars würdig. Inszeniertes Rumgehopse, pseudo-choreographisch-untermaltes Hüftenschwingen war angesagt. Die Mädels waren natürlich aus dem Häuschen. Ich konnte nur hoffen, dass es noch genug Zuschauer mit gutem Geschmack und einem Spürsinn für wahres Talent vor den Fernsehern (und vor allem vor den Telefonen!) gab. Das von mir komponierte Lied schlug ein wie eine Bombe! Bei der Textzeile

"the most beautiful words you ever heard
is that we want to take over the world"

rastete das Publikum total aus. Wir schienen es geschafft zu haben. Käse und Speck flog auf die Bühne. Ich konnte Pinky gerade noch zur Konzentration aufrufen, er war wirklich kurz davor, seine Gitarre gegen ein Stück Käse einzutauschen! Unglaublich - keine Disziplin! Ich war mir sicher, dass wir die neuen Mäusestars sind. Eine Stunde des Wartens und Ausharrens stand nun auf dem Programm. Die Telefone standen nicht mehr still. Die Frage war meines Erachtens nur, ob die Anrufer auf uns gesetzt haben, oder ob tatsächlich jemand auf diese Möchte-gern-Mäusestars hereingefallen ist. Als schließlich unter großer Spannung das Ergebnis bekannt gegeben wurde, (wir hatten über 60% der Stimmen bekommen - ich war heilfroh!) waren Pinky und ich überglücklich! Wir waren die Sieger. Wir waren nun Mäusestars und der Weltherrschaftsplan konnte nun in Phase 2 übergehen, die nun wahrlich von alleine laufen sollte. Doch - ihr ahnt es - es kam wieder mal anders. Nach der Verkündung rannte plötzlich ein völlig in Schwarz (so eine Art Bodygard) gekleideter Mann (ich vermute, es war ein "Verbündeter" der Boygroup) auf die Bühne und rief "Betrug, Betrug!" Er zeigte wild gestikulierend dabei auf uns. "Der Titel ist geklaut und diese beiden haben ihn als den ihren verkauft unerhört, sie müssen disqualifiziert werden!" Mit einem Schriftstück bewaffnet hatte er dies vorgetragen als hätte er gerade ein Gedicht aufgesagt. Nach allgemeinem Durcheinander und einer kleinen Beratungszeit der Rechtsabteilung des Veranstalters war es dann offiziell. Wir wurden disqualifiziert, weil wir angeblich einen bereits auf dem Markt befindlichen Titel als von uns ausgedacht deklariert hatten. Uns wurde also Betrug vorgeworfen. Die Jury hatte mit den damit zum Sieger erklärten Grinsebacken ihren "Wunschsieger", der sich zweifellos problemlos vermarkten ließ. Ich verstand dagegen die Welt nicht mehr. Ich hatte mir den Text doch selbst ausgedacht - den konnte es doch noch gar nicht geben!
"Naja, wenigstens hast du uns dieses Mal nicht reingeritten, Pinky!" sagte ich zum Mann an der Gitarre. "Narf, schade nur, dass unser größter Fan jetzt auch enttäuscht ist", anwortete Pinky. "Das musst du mir erklären", forderte ich ihn auf. "Letzte Woche war ein Mann bei uns im Labor, er sagte er sei unser größter Fan und fragte, ob wir schon wissen, was wir beim Finale singen werden." "Aber du hast ihm doch nicht ...quot; wollte ich dazwischenfragen aber da parlierte Pinky schon fröhlich weiter: "Da habe ich ihm eine Kopie von deinem Text gemacht, schließlich will man ja immer nett zu seinen Fans sein, stimmt doch Brain?" "P I N K Y!!" Ich war außer mir. Beim Versuch, Pinky zu erwischen, zertrümmerten wir unsere gesamte Ausrüstung und wurden zunächst in Gewahrsam genommen, später dann von den Ordnungsmännern zu uns nach Hause gebracht.
Sauer auf Pinky (er hatte wieder mal nicht an das Böse im Menschen gedacht - der Typ (der zweifellos von der Boygroup angesetzt war) hatte unser Lied natürlich veröffentlicht, so dass es zur Disqualifikation kommen konnte) und gänzlich unmusikalisch verbrachte ich den restlichen Tag damit, Pfeile auf eine Dartscheibe zu werfen - aber nicht ohne vorher ein Bild von Pinky darauf angebracht zu haben. Ach, wie ist die Welt doch ungerecht!

Ciao und bis zum nächsten Mal sagt Brain.

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