1. Schneeberger Open

Vom 19.03. - 23.03. fand im sächsischen Schneeberg (eine 18 000 Einwohner- Stadt ca. 20 Km südöstlich von Zwickau) zum ersten Mal ein Schach-Open statt.
Mit Teilnehmern aus Lettland, der Ukraine, dem nahen Tschechien und Schachfreunden aus insgesamt 7 Bundesländern konnte sich dasTurnier internationaler Beteiligung erfreuen. Immerhin fanden 2 Großmeister (Janis Klovans, Lutz Espig), eine WGM (Inna Janovskaja), 3 IM's (Viesturs Meijers/Michael Richter/Josef Jurek) und ein FM (Jaroslav Krouzel) den Weg ins schöne Erzgebirge, was die Veranstaltung qualitativ auf jeden Fall aufwertete.
Da sich die Anzahl von 31 Teilnehmern wohl nicht ganz mit der Erwartung der Ausrichter/Organisatoren deckte, wurde das Turnier kurzerhand von 9 auf 7 Runden verkürzt und die 6 Geldpreise konnten den Titleträgern nur noch mit 60%-iger Kraft ihres Ursprungswertes (1.Preis 600DM statt 1000 DM!!) zulächeln.
Nichtsdestotrotz konnte dann am Nachmittag des 19.03. der Startschuß zur 1. Runde fallen, nachdem den Teilnehmern die Stadt Schneeberg, der Landkreis Aue-Schwarzenberg, die schönen Berge und Täler der Region und diverse andere Vorzüge Südsachsens schmackhaft gemacht und - mit einem mitreißenden "Glück auf!" begleitet - vorgestellt wurden. Mit meinen 2123 Elo und 2122 DWZ-Punkten war ich an Nummer 14 gesetzt, und konnte meine Erstrundenpartie gegen Kathrin Brand (Chemnitzer SC Aufbauf '95) mit den schwarzen Steinen siegreich gestalten.
In der 2. Runde deutete sich schon an, daß der ehemalige Seniorenweltmeister Janis Klovans nichts mit dem Kampf um den Turniersieg zu tun haben würde, denn gegen Jan Petr zog er den kürzeren. In einer interessanten sizilianischen Partie gegen Michael Roos (Dresdner SC 1898) erreichte ich nach rund 4 Stunden ein Remis.
In Runde 3 konnte ich mit den schwarzen Steinen gegen Siegfried Wiezer (Königsjäger Südwest Berlin), der in der Eröffnung einen groben Fehler beging, sich dann aber noch bis zum 28.Zug wehrte, einen weiteren Punkt auf meinem Konto verbuchen.
Die ukrainische, in der Frauenbundesliga für die Rodewischer Schachmiezen in Diensten stehende WGM Inna Janovskaja saß mir in Runde 4 gegenüber. Bis dato dachte ich immer, daß es fast unmöglich sei noch öfter und noch schlimmer als ich in Zeitnot zu geraten, sie war jedoch der lebende Gegenbeweis. Im Mittelspiel opferte ich (was, Brain opfert??) einen Bauern, dafür konnte ich meinen Läufer zentralisieren und ihren Mehrbauern blockieren. Als dann auf beiden Seiten die Zeit knapp wurde (mir wurde nach der Partie gesagt, ich hätte nicht mitblitzen sollten; einer sagte mir sogar: "... mensch, die hättest du doch schlachten können...") und das Brett umringt von Kibitzen nach Luft rang, gewann ich den Bauern zurück. Lediglich die Schwerfiguren und ein paar Bauern waren noch auf dem Brett, doch irgendwie unterschätze ich die Aktivität/Gefährlichkeit ihrer Figuren, jedenfalls wurde ich (im 40. Zug!!) mattgesetzt. Naja, wie immer halt, gegen die großen will es (mir) nicht so richtig gelingen.
Nach einem französischen Kurzremis gegen Christian Brauer (SC 1994 Oberland) in Runde 5, (inzwischen mußte GM Janis Klovans gegen GM Lutz Espig seine zweite Niederlage quittieren) kam in der 6. Runde gegen David Möller (Chemnitzer SC Aufbau '95) noch einmal Sizilianisch auf's Brett. Ich lehnte im 10. Zug Remis ab, um im 20. Zug einen Bauern einzustellen. Mit noch rund 10 Minuten für den Rest der Partie dachte ich über das mir entgangene Remis nach, welches in so weite Ferne gerückt war. Doch da geschah es. Völlig ohne Zeitdruck (mein Gegner hatte ca. eine Stunde mehr Zeit auf der Uhr) stellte er, im Glauben ich stehe auf Grundreihenmatt, eine Figur ein! Problem: Le3 kann nach g1!!
Ich konnte es nicht fassen, welch eine glückliche Fügung des Schicksals. Die letzte Runde brachte ein farbloses Nichtslosremis gegen Martin Vaculik (SK Jablonec). Ich hatte es tatsächlich geschafft, in einem 7-rundigen Open 6 Elogegner abzubekommen! Mit 3½/6 gegen einen Schnitt von 2206 hieß das ein Plus von 17 Elopunkten. Da die inoffizielle DWZ-Berechnung auch noch +22 anzeigte, war das Turnier ein voller Erfolg für mich.
Das Turnier gewann überlegen IM Viesturs Meijers mit 6/7. Lediglich ein Remis gab er gegen die Zweitplatzierte WGM Inna Janovskaja 5/7 und den Drittplazierten GM Lutz Espig ab. IM Josef Jurek belegte mit ebenfalls 5 Punkten den 4.Rang. Danach folgte eine Meute von 6 Leuten mit 4½ Punkten. Jan Petr und Jarouzlav Krouzel konnten sich noch über einen Geldpreis freuen. Mit Platz 7 war ich natürlich mehr als zufrieden. Damit konnte ich Michael Roos, IM Michael Richter und Martin Vaculik dank Wertung auf die Plätze 8, 9 und 10 verweisen, und landete damit auch einen halben Punkt vor GM Janis Klovans, der nach der Schlußnundenniederlage gegen IM Michael Richter mit 4 Punkten den 11. Platz belegte. Eine Simultanveranstaltung, die IM Viestrus Meijers (kostenlos!!) gab, konnte er mit 19:1 dominieren.
Ich hoffe natürlich für den Veranstalter, daß er im nächsten Jahr ein paar mehr SchachspielerInnen in Schneeberg begrüßen kann, denn diese Berge und Täler muß man auf jeden Fall gesehen haben, ES LOHNT SICH!!

Brain

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