Turnierberichte

Beim Schachspielen kommt man ganz schön rum. Als junger Hüpfer waren Turnierbesuche natürlich obligatorisch, in letzter Zeit sind sie rar gesäht. Ich habe die ollen Kamellen bis 2000 mal online gelassen (Wer schwelgt nicht gerne in den guten alten Zeiten und erinnert sich an den einen oder anderen alten Bekannten!?), werde aber versuchen, die Gegenwart alsbald mit Leben zu füllen ;-)

2014

St. Pauli Open (Juli)

Landungsbrücken Wie kann man drei Wochen Urlaub für sein Wohlbefinden optimal nutzen? Meine Wahl fiel auf den folgenden Plan: 10 ruhige Tage im schönen Hamburg bei Stephie und Coach, anschließend zwei Wochen Amerika-Trip mit der ganzen Familie, um Bekkas Gasteltern im wunderbar weiten und mit fantastischen Eindrückenden aufwartenden South Dakota einen Besuch abzustatten. Das St. Pauli Open sollte mich jedoch zunächst schachlich herausfordern, während der gediegene Zeitplan mit einer (Nachmittags)runde am Tag viel Zeit für Sightseeing und Faulenzen ließ. Das mit der Übernachtung hatte schon beim Turnier in Norderstedt gut geklappt (vielen lieben Dank an die beiden rührigen Herbergseltern) und da ich die Anreise diesmal gemütlich mit dem Zug (in 3h von Leipzig nach Hamburg!) vollführte, war auch der Erholungsfaktor ungleich höher (siehe Bericht Norderstedt).

Millerntor Die Spielbedingungen waren hervorragend. Den heißen Sommertemperaturen trotzend ließ es sich in den klimatisierten Räumen des Millerntores wahrlich aushalten. Deutlich über 200 Teilnehmer im A- und im B-Open (erster Preis 800 Euro!) nahmen sich 9 Einzelrunden vor. Die neuen, ab 1. Juli geltenden Fide-Regularien wurden sogleich mitgeteilt (ich glaube, jetzt ist jegliches Handy-Mitführen untersagt). Eine andere, mit erheblicher Tragweite für das Elo-Ratingsystem verbundene Neuerung wurde mir - en passant - erst nach dem Turnier bewusst: Ab dem 1. Juli haben Spieler mit Elo kleiner 2400 einen Faktor von 20 (bisher 15). Spieler, die die 2400 mindestens einmal erreicht haben, behalten weiterhin Faktor 10. Neulinge (unter 30 Partien) und Jugendliche unter 18 Jahren (solange sie unter 2300 haben) erhalten dagegen Faktor 40! Das ist echt der Hammer. Damit stiegen Überflieger, die nach den neun Runden etwa drei Punkte über Erwartung landeten, um glatte 120 Elopunkte (bisher wären es 45)! Schuster - Buchholz, Runde 1 Wenn ich es richtig überblicke, wird dadurch, dass Jugendliche in der Regel besser werden (und damit Elopunkte dazugewinnen), die Elo-Inflation weiter erhöht, da die älteren, mit Faktor 20 ausgerüsteten Gegner im selben Atemzug nur halb soviele Elopunkte verlieren. An 25 gesetzt, ging es in der Auftaktrunde über die volle Distanz. Nachdem ich in nahezu ausgeglichener Stellung im Schwerfigurenendspiel Remis abgelehnt hatte, gewann ich einen Bauern, den ich im Damenendspiel gerne verwerten wollte. Schlussendlich musste mein Gegner vor mir mit dem 30-Sekunden-Bonus überleben und so griff er in der Diagrammstellung nach langer Gegenwehr und einigem Hin und Her mit seinem letzten Zug 71... Dc2 fehl. Jetzt konnte mein König mittels 72. Kg5 in aller Seelenruhe ins schwarze Lager vordringen und wenig später hieß es 1:0.

Planten un Blomen Vor den Strapazen einer Runde bewirkt ein Spaziergang durch den weitläufigen Park mit dem sprechenden Namen Planten un Blomen wahre Wunder. Ein Eis gehört zweifelsohne auch zu einer wirkungsvollen Partievorbereitung ;-) In Runde 2 erhielt ich nach der Eröffnung bereits eine leicht vorteilhafte Stellung. Leider vertriefte ich fast meine gesamte Bedenkzeit bei dem Versuch, den vollen Punkt möglichst ohne Zulassung von Gegenspiel einzufahren. In höchster Zeitnot rechnete ich nach einem taktischen Schlag meines Gegners einen Zug zu kurz (ansonsten wäre ich mit Mehrfigur verblieben) und musste eine Abwicklung zulassen, die nur noch meine Verteidigungskünste benötigte. Einen Zug lang stand ich auf verlorenem Posten, aber sogleich verflüchtigte sich sämtliches schweres Geschütz vom Schlachtfeld und das Remis war unterschriftsreif. U-Bahn-Station In Runde drei wurden schnell die Damen getauscht, was mich in der Regel wenig stört ;-) Ich konnte mit Weiß den kleinen Vorteil stetig ausbauen und so überließ mir mein Gegenüber bereits im Mittelspiel die Initiative. Wenig später ging er zweier Bauern verlustig und gab bald auf. Das für den Abend geplante Konzert von Gregor Meyle, zu dem mich Stephie und Coach eingeladen hatten, wurde aufgrund der schnellen Partie überpünktlich erreicht und wir konnten die Musik in der Katharinen-Kirche genießen.

Schuster - Trent, Runde 4 Mit 2,5/3 erwartete mich IM Lawrence Trent. Ich freute mich über dieses Los, da ich seine Kommentatorenkünste überaus schätze und - so oft ich kann - online verfolge. Natürlich wollte ich die Gunst der Stunde nutzen, um nach der Partie mit ihm zu analysieren. Die Auslosung hielt erneut die weißen Steine für mich bereit und ich hatte meine Vorbereitung vor allem auf Königsindisch gelegt. Er überlegte eine ganze Weile, um mich in unbekannte Gewässer zu locken - was ihm auch gelang. Das erste Diagramm zeigt den Beginn des Mittelspiels nach 15... bxa6. Hier nahm ich eine Auszeit, um zu erörtern, wie ich das Entfalten der schwarzen Figuren mittels Tb8, a5, axb4 und nochmaligem a5 zumindest eindämmen könnte. Gleichzeitig liegt La6 in der Luft und der Sd5 ist angegriffen. Nach längerem Nachdenken entschied ich mich, den S hängen zu lassen und stattdessen meine Figurenstellung zu optimieren. Es folgte 0-0, Tfd1, dann Se3-c4 usw. Sein anschließendes Nicht-Nehmen auf d5 war Anerkennung genug für mich. Schuster - Trent, Runde 4 Langsam kam ich in Zeitnot, konnte die Dinge aber etwas übersichtlicher gestalten. Etwas überraschend für mich tauschte er die letzte Leichtfigur rasch ab und wir landeten in der zweiten Diagrammstellung nach 34... Ke6. Nach 35. Kc4 drohte ich, meinen Turm zu aktivieren und er gab wenig später Dauerschach. Meine Frage nach einer Analyse wurde abschlägig beschieden, ich konnte es ihm aber irgendwie nicht übelnehmen. Das Beste war sein Twitter-Eintrag nach der Partie, der mich schmunzeln ließ:

Another draw with a lower rated opponent but a fair result, guy played well. Onto the next!

Speicherstadt Vielen Dank dafür! Weitere Sehenswürdigkeiten konnten mit der alten Speicherstadt und dem Hamburger Rathaus besichtigt werden. Zum Entladen und Lagern großer Schiffsladungen fuhren die Schiffe früher direkt durch die Stadt und die Waren wurden sogleich in vorgehaltenen Gebäuden deponiert. Heutzutage werden die Gebäude der Speicherstadt kaum noch genutzt, vor allem, weil nahezu der gesamte Hafenumschlag mithilfe der normierten Container geschieht. Große Schiffe können tausende dieser Container über die Weltmeere transportieren. Das Rathaus ist voller kunstvoller Zimmer, die reich dekoriert und schön anzusehen sind. Anzumerken ist die Tatsache, dass dieser Reichtum zumeist den Spenden wohlhabender Bürger zuzuschreiben ist. Das ist Luxus pur! Ich kann jedem Besucher nur empfehlen, die Führung mitzunehmen. Das alte Rathaus Einen herrlichen Blick über Hamburg bietet übrigens die Kirche St. Petri, die mir durch die sich in der Kirchturmspitze befindlichen Bullaugen in guter Erinnerung bleiben wird. Es war wie im Backofen dort oben, aber der Ausblick war mehr als ausreichende Kompensation. In Runde fünf saß ich Dr. Markus Hochgräfe gegenüber. In der mir unbekannten Eröffnung musste ich ein paar genaue Züge finden, alsbald war ich dem Ausgleich aber sehr nahe. In der ersten Stellung fühlte sich mein Gegner zu 22. Lxf6 inspiriert, welches meines Erachtens ein nicht notwendiges, inkorrektes Opfer darstellt. Ich konnte mittels Db7 und Dg7 jedwede Gefahr sofort bannen und lehnte sein Remisgebot nach dem forcierten Damentausch ab. Leider war mein Zeitreservoir bereits fast vollständig aufgebraucht, so dass ich das korrekte 33... Th8 34. h5 gefolgt von 34... Tg8 35. f3 und eventuellem Kf6-g5-h4 usw. in der zweiten Diagrammstellung nicht auf dem Schirm hatte und stattdessen 33... Sc5 entkorkte, was nach wie vor alle drei Ergebnisse zuließ. In Diagramm drei ist die Schlussstellung zu sehen, die mir alles andere als klar erschien, weshalb ich die Zugwiederholung per Td2+ und Kc4 und anschließendem Tc2+ gern annahm. Ich malte mir Stellungen aus, in denen ich mit S und T versuchte, weit vorgerückte weiße Bauern aufzuhalten - da nahm ich doch lieber den Spatz in der Hand.

Hochgraefe - Schuster, Runde 5 Hochgraefe - Schuster, Runde 5 Hochgraefe - Schuster, Runde 5

Kämpfen ist angesagt Für die sechste Runde hatte ich mir mit Schwarz einiges gegen den Katalanisch-Aufbau meines schwedischen Gegenüber vorgenommen. Dass es nicht leicht würde, machte mir sein Remis gegen GM Kalinitschew aus dem laufenden Turnier klar. Vermutlich etwas übermotiviert erkannte ich den Ernst der Lage nicht so recht und hatte Glück, in der Diagrammstellung nicht mit 21. Txd3 Txb2 22. Sc6! konfrontiert worden zu sein. Danach steht nicht nur die Dame auf e8 weit vom Schuss, sondern auch der a-Bauer läuft ziemlich schnell los. Der Blockadespringer auf c6 tut ein Übriges. Bjarnehag - Schuster, Runde 6 Ich hatte Glück und er schlug stattdessen auf c7. Die Damen tauschten sich und als sich alle Bauern am Damenflügel getauscht hatten (auch hier musste ich noch ein paar genaue Züge finden), bot ich Remis an, was er sofort annahm. Ich glaube, dass Überstehen solch kniffliger Momente entscheidet so ein Turnier aus der Retrospektive betrachtet, wenngleich ich sicher auch Momente hatte (z. B. in Runde 2 oder Runde 5), in denen ich den einen oder anderen halben Punkt liegenlassen habe. Für die Laune bei der üblichen Heimfahrt mit der U-Bahn samt aktuellem Coldplay-Album im Ohr macht es natürlich einen gewaltigen Unterschied, ob man des Versehens bereits während, nach der Partie oder erst im heimischen Kämmerlein Gewahr wird. Ich hatte es während der Partie nicht gesehen. Sei es wie es sei.

Hafencity Am nächsten Tag habe ich einen Spaziergang durch die Hafencity von Hamburg gemacht. Dieser in den nächsten Baujahren entstehende, vollends neu kreierte Stadtteil lädt mit moderner Architektur und Hafenblick einerseits die Immobilieninvestoren und solche, die es werden wollen, ein, ihr Portemonnaie zu zücken, und bietet andererseits den Stadtbummlern genug Futter zum Sehen und Staunen. Die Lage kostet freilich - und das wird ausgekostet, koste es, was es wolle. Mit einem Leckerli on the fly geht es ab ins Spiellokal. Ich glaube, es war an diesem Tag, als ein handfester Platzregen sein Revier als Platzhirsch markieren wollte. Ich war zum Glück rechtzeitig ins Trockene gekommen. Hafencity So eine Partie wie die siebente Runde habe ich auch noch nicht erlebt. In der Eröffnung bekam ich Holländisch garniert und zog mich bei der Suche nach Vorteil recht achtbar aus der Affäre und konnte in der ersten Stellung nach 20...cxd6 einen kleinen Vorteil reklamieren, der am einfachsten mit 21. Ld5+ (21... Le6 funktioniert nicht wegen 22. De4 Te8 23. Tc8+-) gefolgt von Tf1 und Tf7 festzuhalten war. Ich gewann einen Bauern, der aber nicht festzuhalten war und musste mich ins Dauerschach fügen (Schwarz am Zug, Diagramm 2). Doch halt - warum überlegt mein Gegner? Er nimmt auf b2 weg!? Okay, denke ich, gebe Schach auf f8 und f5 und biete Remis. Er lehnt ab! Was denn nu, denke ich und stelle die Dame nach 37... g6 auf c5 ab. Mit dem unbedingten Willen, der Partie eine Entscheidung abzuringen, werden die Damen auf b6 getauscht und es beginnt ein Bauernendspiel, in dem im dritten Diagramm einzig 45... Kc6 die Waage hält. Nach der Partiefortsetzung 45... g5 ist es nach 46. Ke4 sofort aus. Was für eine kuriose Partie. Ich habe die Partie gewonnen, obwohl mein Gegner sie entschieden hat.

Schuster - Franke, Runde 7 Schuster - Franke, Runde 7 Schuster - Franke, Runde 7

Die achte Runde sollte - entgegen den übrigen, um 16.00 Uhr anberaumten - erst um 18.00 Uhr beginnen. Grund war das Freundschaftsspiel zwischen St. Pauli und Glasgow mit anschließendem Fanfest. Carlstedt - Schuster, Runde 8 Die Sause hatte ihren Namen wahrhaft verdient, am nächsten Tag konnte man den Platz vorm Millerntor nicht geräuschlos betreten. Mit 5/7 hatte es mich wieder nach vorn gespült. Stephie und Coach machten es sich auf dem Dom gemütlich, einem turnusmäßig stattfindenden Riesenrummel, während ich mich fast sechs Stunden quälte, ehe ich meine einzige Niederlage konstatieren musste. Doch der Reihe nach. Die Eröffnung war recht unspektakulär verlaufen, irgendwer wollte irgendwen austricken and the other way around. In jedem Falle stand plötzlich ein Bauer rum. Hm. Ich nahm ihn mit, aber unterschätzte das weiße Figurenspiel. Carlstedt - Schuster, Runde 8 In Zeitnot gab ich unnötigerweise eine Qualle und landete, im Moment als Stepie an mein Brett trat, in der Diagrammstellung 1. Leider muss hier 47... Kf5 gespielt werden, um sich möglichst schnell dem gefährlichen Freibauernpaar am Damenflügel zu nähern und das Feld f4 für eventuelle Zugwiederholungen mit dem S freizuhalten. Ich wählte mit 47... Kxh4 eine andere Fortsetzung. Danach läuft es für Weiß wegen der Idee 52. Txc3 (Diagramm 2) wie am Schnürchen. Schade eigentlich.

Der Dom at its best Die Schlussrunde hielt mit einem Spieler des Pinneberger SC einen Gegner unseres ehemaligen Mitstreiters aus der 2. Bundesliga Nord bereit. Ich wollte das Turnier natürlich gern mit einem Sieg abschließen, wollte aber auch nicht übermotiviert alles bisher Erreichte ins Feuer stellen. Aus der Eröffnung heraus erhielt ich einen erheblichen Raumvorteil, der sich aber im Mittelspiel etwas verflüchtigte. Leckereien an jedem Stand In beiderseitiger Zeitnot behielt ich zum Glück den Überblick und es schlug in seine Königsstellung auf f7 ein. Anstatt in ein vermutlich verlorenes, aber sicher langwieriges D vs. T+S Endspiel abzuwickeln, übersah mein Gegner ein Diagonalschach, was einem Matt gleichkam. So konnte ich das Turnier erfreulicherweise mit einem Sieg beenden und landete mit 6/9 insgesamt auf Platz 15. Vorn setzte sich GM Khenkin nach seinem Sieg gegen GM Huschenbeth souverän durch, gefolgt von IM Ringoir, der aktuell für Belgien bei der Olympiade aktiv ist. Ein Pulk von Spielern mit 6,5 machte den Rest des Preisgeldes unter sich aus. Ein empfehlenswertes Turnier, vor allem, weil sich Schach und Urlaub in Hamburg wirklich gut verbinden lässt.

Oster-Open Norderstedt (April)

Coach Das kam so: Der Coach rief mich kurz vor Ostern an, ob ich denn nicht Lust hätte, das Oster-Open in Norderstedt mitzuspielen. Tolle Besetzung, Übernachtung beim Coach in Hamburg und 9 Runden Schach pur (4 Doppelrunden). Nachdem ich mich die Woche zuvor auf der Schneekoppe quasi erholt hatte, stand der Reise am Gründonnerstag nach Norderstedt nichts mehr im Wege. Nur für das Logbuch: Wenn ihr von Leipzig aus startend dieses Turnier mitspielen wollt, rate ich euch, genüsslich den Zug zu nehmen und dann notfalls erst Dienstag nach dem Turnier zurückzufahren. Ich Idiot fahre natürlich mit dem Auto und kann mir auf der 6-stündigen Anreise besonders Hamburg im Schneckentempo zu Gemüte führen. OSTERVERKEHR! Da kann man auch vorher drauf kommen. Glücklich, endlich angekommen zu sein, betrat ich in der Annahme, wegen der halbstündigen Karenzzeit unter Umständen schon kampflos verloren zu haben, den Turniersaal. Glücklicherweise hatte der Turnierveranstalter die Karenzzeit selbst nicht eingehalten und so waren mir lediglich 5 Minuten abhanden gekommen. Meinen Erstrundengegner konnte ich dann relativ sicher besiegen. Coach hingegen zog es vor, eine Mitternachtspartie zu genießen. Er stand auf Gewinn, verrechnete sich, stand vermutlich auf Verlust, spielte, spielte und spielte, sperrte die Mehrfigur des Gegners im Endspiel ein, wollte dann wieder gewinnen, am Ende stand ein halber Punkt. Mit Erlebnissen, die locker für zwei Tage gereicht hätten, begrüßten wir Stephie in Hamburg. Mein Geist schrie nach Schlaf.

Schuter - Bindrich, Runde 2 Aufgrund der guten Besetzung durfte ich in Runde zwei das Spitzenbrett gegen GM Falko Bindrich bekleiden. Meine Eröffnungsbehandlung muss ich nochmal auf den Prüfstein stellen, sooo war das sicher nicht im Sinne des Weißen. Mit ein paar genauen Zügen erhielt ich allerdings eine spielbare Stellung, tauschte die Damen und hätte in der Diagrammstellung einfach mal ein wenig reingucken sollen (sagt sich so einfach, wenn man bereits viel Zeit verbraten hat). Schuster - Bindrich, Runde 2 Dann hätte ich unter Umständen wohl auch 19.La4 gefunden und nicht stereotyp Lc3 gezogen. Die Idee Lb5, welche wegen der Drohung d4-d5 nicht mit a7-a6 unterbunden werden kann, gefällt. Nach etwa 19...Tec8 20. Lb5 ist der c4 (notfalls mit Unterstützung des Tac1) futsch und Schwarz könnte bestenfalls mit 20... a6 21. Lxc4 Sxd4 22. Lxf7 Kxf7 23. Sxd4 und Minusbauer weiterspielen. Das Läuferpaar sollte ihm Ausgleich garantieren, aber nicht mehr. Der Rest ist schnell erzählt. Der GM spielte seine größere Stärke aus. Ich wusste nicht so recht, wie ich mich hinbauen sollte (ich bin davon überzeugt, Holly hätte die Partie locker gehalten), und triefte langhin. Coach fuhr einen schnellen Sieg ein und konnte sich in Runde 3 (endlich) über einen stärkeren Gegner freuen.

Ich konnte in der Nachmittagsrunde aus der Eröffnung heraus einen Bauern einsammeln, den ich auch nicht mehr abgab ;-) Beim Versuch, aktiv nach vorn zu spielen, stellte mein Gegner eine Qualle ein und spielte dann bis 32... Ddh4 matt weiter. Umso unterhaltsamer war dann die Analyse, in der wir gleich parallel die Theoriezüge aus der Datenbank lernten. Coach erhielt gegen IM Thesing eine solide Stellung und spielte gut mit. Leider benötigt es 5 Stunden Ausdauer (Die nunmehr "neue" Bedenkzeit 2h/40 + halbe Stunde war echt gewöhnungsbedürftig, aber wegen der Planbarkeit wohl notwendig.) und das Umschiffen aller Klippen, ehe man den halben Zähler verbuchen kann. Er unterschätzte eine Ressource des IM und musste wenig später aufgeben. Wie die Analyse zeigte, kann Schwarz bei alternative Spielweise den Kampf weiterhin offenhalten. Schade!

Schuster - Helms, Runde 4 In Runde 4 entschied ich mich für Französisch und gegen Nimzoindisch. Wie das geht? Man spielt einfach 1.e4 und lässt die Chance auf 1.d4 an sich vorüber gehen. Es machte Spaß, sich wieder in altbekannten Strukturen der halboffenen Spiele zu tummeln, dies war schließlich lange Zeit das tägliche Brot. Nachdem ich e6-e5 langfristig verhindert hatte, war ich mit der weiteren Entwicklung der Partie (Schwarz spielte Te7, g5 und Tg7) nicht so zufrieden. Nach überstandener Zeitnot konnte ich die obige Diagrammstellung erreichen und überlegte nun, wie ich am schnellsten vorankäme. Schuster - Helms, Runde 4 42. Txe6 oder 42. Dxc4? Hmm. Nach Txe6 droht gleich Te8, dann kann ich immer noch Dxc4 spielen und es droht gleich ein Abzug. Gedacht, getan. Natürlich setzte Schwarz mit 42...Txf3 fort, um nach 43. Te8 (da war ich dann aufgewacht, wollte aber keine andere Variante mehr spielen) Tf2+ 44. Kg1 zur zweiten Diagrammstellung zu kommen. Hier rettet 44...Tf1+ zumindest die Dame. Ich gewann das Endspiel dann trotzdem, ärgerte mich aber die ganze Zeit über meinen 42. Zug und das Übersehen (So ist das, wenn man Dinge zu schnell abhakt.). Coach gewann kampflos, da sich sein Gegner krank vom Turnier abmeldete. Den einzigen Vorteil - wenn man eigentlich zum Schachspielen vor Ort ist - sehe ich darin, dass er die Nachmittagsrunde ausgeruht gegen einen Stärkeren spielen konnte.

Kantans - Schuster, Runde 5 Genauso kam es auch. Ein Däne mit Elo 2276 saß dem Coach gegenüber und spulte die ersten Züge ordentlich herunter, als stünden am Abend noch wichtige Termine an. Jeder hat seinen Stil. Die Delegation der Dänen und Letten war übrigens in Quantität und Qualität recht beachtlich. So spielten aus Danas Heimatland nicht nur ihre Olympiade-Mannschaftskolleginnen WGM Laura Rogule und WGM Ilze Berzina, sondern auch GM Arturs Neiksans sowie die (fast-)IMs Nikita Meskovs und Toms Kantans mit. Letzterer war übrigens mein Gegner in dieser Runde. Doch zunächst zum Coach. Er überließ seinem Gegner die Initiative. Kantans - Schuster, Runde 5 Er agierte jedoch sehr umsichtig und konnte sich nebenbei einen starken Freibauern bilden. Wohl immer noch im Glauben, besser zu stehen, suchte sein Gegenüber nach dem Knockout, den wir aber auch in der Analyse nicht fanden. Der Bauer lief bis d7 und konnte auf die Unterstützung eines Lc7 bauen. Dies war spielentscheidend. Ich hatte eine Caro-Kann-Partie auf dem Brett, bei der ich mich nicht an meine Theorievarianten erinnern konnte. Ich wollte improvisieren, geriet aber in eine furchtbare, perspektivlose Stellung. Im ersten Diagramm wurde ich von 17. Sxd5! überrascht, wobei der eigentlich nicht so schwer zu sehen ist. Als ich mich ein wenig von meinem Schock erholt hatte, kam das Motiv in Diagramm zwei mit 22. Sb5 noch einmal zum Tragen. Da wars dann aus, auch wenn ich mich noch ein wenig quälte. Beim gemeinsamen Einkaufen zieht Coach anschließend Parallelen beim Einkaufsstil von mir und Stephie (nur was man kennt, kauft man). Dagegen wehre ich mich vehement und behalte mir rechtliche Schritte vor. Süßigkeiten, Partieanalysen und Kurzweil beendeten diesen Ostersamstag in heimischer Hamburg-Kulisse.

Coach durfte in Runde 6 mit den weißen Steinen gegen WGM Laura Rogule ran - eigentlich ein gutes Los. Coach agierte gegen die Sizilianische Verteidigung nicht allzu forsch, tauschte die Damen und fand sich in einem leicht schlechteren Doppelturm- und Läuferendspiel wieder. Hier spielte er meines Erachtens zu vorsichtig, ließ sich eine weitere Schwäche zufügen und ließ wohl etwas zu früh den Kopf (für seine Stellung) hängen. Da war er dem halben Punkt wieder sehr nahe.

Schuster - Kramer, Runde 6 Schuster - Kramer, Runde 6 Schuster - Kramer, Runde 6
Ich hatte es mit einem fast gleichstarken HSK-Jugendspieler zu tun. Aus der Eröffnung holte ich nicht viel raus, wir landeten alsbald in einem Endspiel, in der er versuchte, meinem König beizukommen. Da ich einen Damentausch erspähte, ließ ich mich nicht zweimal bitten und wickelte vorteilhaft ab, konnte sogar gleich einen Bauern kassieren (Diagramm 1). Hier kann ich z. B. mit 32. Kf1 oder 32. b4 fortsetzen. Doch ich dachte, dass ich mit 32. Td6, dem verbundenen Turmtausch und dem starken Läufer (der die Diagonale b8-h2 kontrolliert) alles richtig machen würde. Jedoch übersah ich das trickreiche 32... Sh5 gefolgt von 33. Sg3+ (Diagramm 2). Glücklicherweise kommt der weiße Turm rechtzeitig, um den Bauern auf g2 aufzusammeln und das entstehende Turmendspiel war sehr, sehr lange gewonnen. Selbst als ich schlussendlich nur noch den Randbauern besaß, stand ich auf Gewinn, aber bei ungefähr 50 Sekunden für den Rest der Partie ;-) naja. In Diagramm 3 hätte ich z. B. mit 51. e5 (statt 51. f5 in der Partie) fortsetzen sollen. Die Idee, den Turm via d5 nach d6 zu bringen (Angriff des a6) hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Nach vollen 5 Stunden also Remis. Pfffhh.

Pererva - Schuster, Runde 7 Da musste ein Sieg mit Schwarz in Runde 7 her. Zunächst spulten wir beide ca. 20 Züge aus einer Caro-Kann-Hauptvariante herunter, bis ich mir eine Auszeit nahm, um über mein weiteres Vorgehen nachzudenken. Ich fand ein paar coole Ideen und verleitete ihn zu ein paar kritischen Entscheidungen. In der Diagrammstellung kann ich mit 26...Sxh5 bereits die Früchte der Lavier-Arbeit ernten. Zum Ärger für Weiß (der nichts Besseres als 27. Txh5 hat) ist es wegen der Verdopplung auf der d-Linie, samt Lb4 und Einstieg auf d2 sofort aus. Coach spielte einen munteren Leningrader gegen den starken Blindenschachspieler FM Oliver Müller. Als er ihn sehenswert überspielt hatte, wollte er es ganz sicher machen und zunächst Beton anrühren und jegliches Gegenspiel einfrieren, ehe er die Figur mitnahm. Leider rächte sich dieses Vorgehen und er wurde taktisch ausgekontert. Sehr, sehr schade!

In der Vormittagsrunde des letzten Turniertages wurde der Coach gegen einen Herren gelost, der - ich glaube als Einziger - nicht mitbekommen hatte, dass diese Runde eher angesetzt wurde. Zweiter kampfloser Punkt - unglaublich ärgerlich! Ich hatte in Runde 8 nun wieder die Möglichkeit, gegen einen Stärkeren den Turnier-Fahrstuhl anzuhalten oder besser: weiter nach oben zu schicken. Der sympathische IM Jens-Ove Fries-Nielsen hatte tags zuvor gegen WGM Rogule verloren, die ein schönes Finale aufs Brett gezaubert hatte. Nun war ich an der Reihe, die Klingen mit ihm zu kreuzen.

Schuster - Fries-Nielsen, Runde 8 Schuster - Fries-Nielsen, Runde 8 Schuster - Fries-Nielsen, Runde 8
Ich fühlte mich ein wenig von seiner Eröffnungsbehandlung ausgetrickst. Er spielte schnell, was sich auf meiner Uhr bemerkbar machte. Ich ließ mich zu einem frühen a2-a4 verleiten, alles schien für ihn glatt zu laufen. Ich konnte nichts Wirkungsvolles gegen die Öffnung am Damenflügel finden und sah mich in leicht schlechterer Stellung seinem Angriff ausgesetzt (Diagramm 1). Dann erspähte ich 23. Dd2, was er offensichtlich nicht auf der Rechnung gehabt hatte. Doch allzu schlimm ist dies gar nicht. Eine mehr oder weniger forcierte Variante führt uns zu einer unklaren Stellung (Diagramm 2). Ich erinnerte mich an die Analyse der Runde zuvor, in der Coach (gegen FM Müller) seinen König über das gesamte Brett hätte evakuieren müssen. Mein König fand über f2, g1 auf h1 ein lauschiges Plätzchen, so dass ich in Diagrammstellung 3 alles für 34. c5 vorbereitet hatte. Interessanterweise holte ich ab diesem Zeitpunkt massiv auf der Uhr auf und er fand keine Verstärkung, die meinem König etwas anhaben konnte.

Schuster - Fries-Nielsen, Runde 8 Schuster - Fries-Nielsen, Runde 8 Schuster - Fries-Nielsen, Runde 8
Ich verpasste in meiner Zeitnot den Gewinn und wusste nicht, wie ich meine Stellung nun weiter verstärken sollte. Er wollte die Partie ausspielen (vermied eine Zugwiederholung) und tauschte meinen Sh2 gegen seinen Läufer (Diagramm 1). Beide Spieler hatten vielleicht noch 3 (eher ich) bis 5 (eher er) Minuten auf der Uhr. Hier fühlte ich mich zu 51. De6!? inspiriert. Die Folgen des Nehmens mag jeder selbst berechnen. Fakt ist, dass er nach meinem 52. Te2 (Diagramm 2) kurzzeitig gewinnen konnte. Nach 52... Lxe6 53. dxe6 Dc8! zeigt sich, dass mittels 54. e7 Tg5+ die schwarze Dame dem weißen König zuleibe rückt oder der Freibauer fällt! In Diagramm 3 macht 54... Dc8! immer noch Remis (Dauerschachideen nach 55. Txg5 Kxg5 56. e7 De6!, wenn Weiß sich eine Dame holt), doch nach 54... Tc5 55. Txc5 dxc5 56. Te1 machte mein Gegner noch De8, um nach 57. e7 die Sekunden ablaufen zu lassen und lächelnd aber kopfschüttelnd aufzugeben. Was für eine Partie! Ich war so auf- und abgedreht, dass mir völlig egal war, gegen wen ich in der Schlussrunde spielen würde - ich war einfach happy, mal so eine Partie gewonnen zu haben, weil so ein Geplänkel fast immer zugunsten des Favoriten ausgeht!

Der Coach durfte in der 9. Runde gegen FM Hebbinghaus ran, der erst zur dritten Runde eingestiegen war. Er spielte noch, als ich gegen 18.00 Uhr Norderstedt verließ, daher habe ich nicht viel von der Partie mitbekommen. Er musste mir am Abend aber leider berichten, dass er den Kürzeren gezogen hat. Ich durfte gegen GM Das Neelotpal aus Indien mit Schwarz spielen. Insgesamt 10 Minuten Pause seit der spannenden Runde 8 ließen mich kaum normal in die Partie kommen. Ich spielte bewusst ein wenig risikoreicher, da U-Bahn rules ich gegen ein schnelles Ende der Partie nichts einzuwenden hatte - eine zeitnahe Heimreise war in meinem Interesse, ich hatte vorher auch überlegt, die letzte Runde gar nicht zu spielen, da noch mindestens 4h Autofahrt vor mir lagen. Angesichts meines "Erlebnisses" in Runde 8 aber kein Problem ;-) Mein Figurenopfer gegen zwei Bauern wurde dann auch ziemlich schnell widerlegt und ich konnte mich gemeinsam mit Neu-FM (alles bezahlt und es stehen inoffizielle 2301 zu Buche) Felix Meißner auf die unterhaltsame Rückfahrt nach Leipzig machen. Gegen 22.30 Uhr war ich dann auch daheim angekommen: fertig, glücklich und schachenthusiastischer denn je. Das Turnier hat wirklich Spaß gemacht!

Hastings International Chess Congress (Jahreswechsel 2013/14)

Der Hastings International Chess Congress war eine coole Erfahrung. Wenn ich demnächst noch Zeit finde, werde ich noch einen nachträglichen Bericht verfassen.

2012

Arber-Open Bayerisch Eisenstein (August)

Das Arber-Open in Bayerisch Eisenstein feierte 2012 Premiere. Der Ausrichter gab sich sichtlich Mühe, Eindruck bei den Teilnehmern zu hinterlassen - vielleicht war es aber auch nur die bayrische Art, Dinge anzugehen!? Ein hilfsbereites Team um- und versorgte alle Teilnehmer mit Gastfreundlichkeit. Zeitgleich fand die Bayerische Einzelmeisterschaft der Damen (14 Teilnehmerinnen) und Herren (28) statt. Während das Frauenschach scheinbar über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinaus mit Desinteresse gestraft wird (man sehe sich nur die Resonanz der letzten Offenen Deutschen Frauenmeisterschaft an), gaben sich die FMs im Männerfeld die Klinke in die Hand.

Die ArberLandHalle Die ArberLandHalle als Spielort war eine sehr gute Wahl. Im klimatisierten Großraum erfreuten sich rund 90 Open-Teilnehmer an bestem Sommerwetter (zumindest an den ersten Tagen). Vor, während und nach den Partien war für das leibliche Wohl gesorgt, Bierzeltgarnituren boten jede Menge Analysebretter feil, wobei die Schattenplätze favorisiert wurden. Ich hatte es mir nicht nehmen lassen, vor jeder Runde einen Bierkrug voll Wasser zu ordern, der - gut gekühlt - für ein wenig Erfrischung am Brett sorgte.

Es ist angerichtet Alte Bekannte waren nicht zu erwarten - dafür hatte ich ein Turnier auserkoren, was nicht in das Einzugsgebiet Mitteldeutschlands fiel. Jedoch konnte ich mit FM Lu einen Weggefährten vergangener Tage begrüßen: die (gute, alte) DLM (inkl. Willi!) lässt grüßen! Er spielt jetzt für den SK Weilheim in der 4. Liga, "hoffentlich nicht allzu lange", fügte er mit einem Lächeln hinzu (und dies war nur auf die Spielklasse und nicht auf den Verein gemünzt).

Ostertag-Schuster, Runde 1 In der ersten Runde hatte ich nach 1. e4 c6 2. e5 eine Stellung auf dem Brett, die ich mein Lebtag noch nicht gesehen hatte! Nach ruhigen Eröffnungsverlauf konnte ich einen Bauern abgreifen, ihn verteidigen und schließlich taktisch die Partie beenden (siehe Diagramm). Kurioserweise hatte ich vor dem Turnier ein Taktikbuch durchstöbert - um den Motor in Gang zu bringen. Das hat wunderbar funktioniert! Doch schon diese erste Partie zeigte mir die Vor- und Nachteile der kurzen Fischer-Bedenkzeit (90 min/40 Züge + 30 min + 30 Sek Bonus je Zug). Das wird ein Spaß in der neuen Saison! Gut, dass ich Zeit hatte, schon mal ein paar Partien in diesem Modus zu spielen!

Ein Spaziergang in der Natur In Runde zwei traf ich auf Richard Valet aus Greifswald. Den Smalltalk vor der Partie verband ich mit Grüßen an Wilko Stubbe, der ja seit einiger Zeit für Greifswald in der Oberliga aktiv ist. Ich kam gut aus der Eröffnung und konnte nach einer Mittelspielabwicklung die siebente Reihe besetzen. Leider verpasste ich den Knockout und begnügte mich mit einem Mehrbauern, der bei knapper Zeit aber bald wieder von Bord ging. Gerne nahm ich - immer noch in Zeitnot und latent auf Matt stehend - die Remisofferte an, die Schlussstellung ist viel angenehmer für meinen Gegner, für den der halbe Punkt aber wohl das Tagesziel gewesen war.

Aufgespießt Runde drei hielt mit Harald Stadtmüller (Offenbach) einen Oberliga-B-erfahrenen Haussystem-Spieler bereit. Ich versuchte, mit schnellem c5 und Db6 dem d4, e3, Lf4, Sf3 Aufbau entgegenzuwirken und bekam sogar die vorbereitete Stellung aufs Brett. Nach einem Bauerngewinn meinerseits hinkte ich aber deutlich in der Entwicklung zurück und verfiel in (gefährliches!) tiefes Brüten. Wiederum bot mir mein Gegner in einer für mich eher schwierigen Lage die Punkteteilung an. Ich nahm an und erfuhr im anschließenden Gespräch, dass es ihm vor allem um den Rückgewinn alter DWZ-Punkte ging und er gerade eine Art Comeback gestartet hatte. Er spielte ein sehr gutes Turnier, beendete allerdings das Turnier nach der 8. Runde. Seine Erfolgszahl war erreicht.

Der Große Arber ruft In der vierten Runde mit Weiß sollte wieder ein ganzer Punkt her! In einem interessanten Slawen war ich (mehr oder weniger) zu Kf2 genötigt, um meinen e3-Bauern zu decken. Die Stellung bot beiderseitigen Chancen. In einer Abwicklung hatte mein Gegner seinen Plan fest im Blick, vernachlässigte aber meine Drohungen! tse, tse, tse. Niemals mit Automatismen rechnen, Leute! Dame und Turm auf der siebenten Reihe beendeten die Partie. Mit 3/4 sollte doch nun der erste höher gesetzte Spieler kommen.

Schuster - Meduna, Runde 5 Aber Pustekuchen! Ein junger Tscheche (vermutlich der Sohn von GM Meduna) mischte zusammen mit seiner Mutter das Turnier mächtig auf. Er hatte IM Heinzel besiegt und trotz seiner Elo 2016 noch keine Partie verloren. Ein richtig tolles Los also! Tatsächlich verlief die Partie dann aber unerwartet einseitig. Eine Damengambit-Struktur hatten wir noch relativ schnell aufs Brett gezaubert, ehe er anfing, bei jedem Zug intensiv nachzudenken. Ich hatte mir schnell einen Schlachtplan zurechtgelegt und verbesserte meine Figurenaufstellung nach und nach. In der Analyse zeigte sich, dass er ein bis zwei gute Chancen ausgelassen hatte, die Partie in völligem Gleichgewicht zu halten (ein Sperrzug war mir auch während der Partie entgangen). Als die Zeit herunterlief wurde es auch noch taktisch - aber, richtig, mein Taktikbuch hatte mich bestens eingestellt. In der Diagrammstellung machte ich dann alles klar und rückte dem schwarzen König zuleibe - 1:0. Nach der Partie wies die Mutter den etwas zerknirschten Jungen an, doch mit mir zu analysieren. Ab dieser Runde schien die Mutter dem Jungen irgendwie den Rang abzulaufen. Ich glaube, sie schlug noch einige höher gesetzte Titelträger, während er ein wenig aus dem Tritt kam.

Gegenlicht Mit 4/5 gönnte mir die Auslosung den Setzlistenersten GM Prusikhin. Mit Schwarz war ich recht froh, dass die Partie in Pfaden abseits der Theorie verlief. Leider hatte ich nicht so recht Selbstvertrauen in meine Stellung und sah den Figurenangriff bereits über mich hinwegrollen als noch alles in bester Ordnung war. Ein wenig mehr Biss hätte schon sein können. Aber die self fulfilling prophecy tat ihr übriges und ich fügte mich dem Unvermeidlichen. Bei der heimischen Analyse ärgerte ich mich über meine vorhandene Ängstlich- und die fehlende Zähigkeit. Naja, es gibt Schlimmeres.

Da steht ein Pferd... Die Auslosung war eher eine Manifestierung meiner Vermutung denn eine Überraschung - FM Lu würde mir gegenüber sitzen. Er baute sich Holländisch auf und wartete wenig später mit einer Abwicklung auf, die eine Materialverteilung bereithielt, die ich noch nicht auf dem Brett hatte. Er gab seine Dame und einen Bauern und bekam im Gegenzug das Läuferpaar und einen Springer. Da diese Konstellation auch Chancen für mich bot, sollte es mir recht sein. Ihm gelang es (durch meine Mithilfe ;-)), die Stellung in eine nahezu-Gewinnstellung zu transformieren, in der meine drei Schwerfiguren eher eine Statistenrolle bekleideten. Dann übersah er aber eine Ressource meinerseits und plötzlich war wieder alles offen. Nach der Zeitkontrolle verblieb er mit T+S+L, während meine Dame seine Bauern einzusammeln drohte. Er verbrauchte fast seine gesamte Restbedenkzeit und bot dann Remis an, da er nicht mehr als ein Dauerschach sah und Angst hatte, dass einer meiner Bauern durchlaufen könnte. Ich nahm natürlich an. Tatsächlich steht er selbst in der Schlussstellung auf Gewinn. Ich habe fest vor, diese Partie hier zu veröffentlichen, da sie viele schöne Analysediagramme zutage förderte. Ich habe selten so einer intensiven und interessanten Analyse (post mortem) beigewohnt. Danke Ludwig!

Schuster - Meertens, 45. Zug Schuster - Meertens, 61. Zug Schuster - Meertens, 69. Zug
In Runde 8 bekam ich wieder Weiß (nach zweimal Schwarz in Folge) und mit Martin Meertens einen schlagbaren Gegner. Zunächst lief alles prima. Ich stellte zwar mehr oder weniger plump einen Bauern ein, dafür stand seine Dame auf a2 aber recht abseits. Ein Remisgebot schlug ich aus, gewann den Bauern beim Damentausch zurück und erreichte die erste Stellung (oben links). Traumhaft, oder? Ich hätte zwar noch versuchen sollen, h4-h5 durchzudrücken, allerdings war auch so alles okay. 16 Züge später kamen wir zur Stellung 2 (oben Mitte). Hier patzte ich schrecklich mit Ke6??, statt mit Tf7 (Kg6 Ke6! +-) einfach zu gewinnen. So verlor ich beide Bauern (den Remisknopf habe ich gar nicht gesehen, ich dachte... an was weiß ich) und landete in einem grausamen Endspiel, was später in D vs. T transformiert wurde. Tatsächlich hatte ich in dritten Stellung (oben rechts) mit Td4 einen einzigen Zug zur Verfügung, der noch Remis hält. Man überzeuge sich selbst, es ist sehr lehrreich! Ich verlor und war richtig sauer. Auf mich, auf die vergebenen Chancen, auf die Möglichkeit, mit 5,5/8 eine Superausgangssituation in der Schlussrunde einfach weggeschmissen zu haben. Aber es sollte halt so sein! Mmh.

Als "Strafe" bekam ich einen Jugendspieler zugelost. Vadim Lavrinenkov hatte ausgangs der Eröffnung sogar die Chance, (mindestens) ein Dauerschach zu geben. Gut, ich hätte auch eine Stellung akzeptieren können, in der ich einfach einen Minusbauern verwalte. Es kam anders. Einen gewonnenen Bauern gab ich sogleich taktisch (Moment!) wieder ab, ehe wir in einem leicht besseren Endspiel für mich landeten (erste Stellung).

Lavrinenkov - Schuster, 35. Zug Lavrinenkov - Schuster, 52. Zug Lavrinenkov - Schuster, 60. Zug
Ich lehnte die Remisofferte insgesamt zweimal ab, weil ich "mal gucken" wollte, was ich noch so rausquetschen konnte aus dieser Murksstellung. In der Diagrammstellung (oben Mitte) bildete ich mir dann einen Freibauern, indem ich gleichzeitig dem weißen h-Bauern freies Geleit gab. Mein Gegenüber griff kurze Zeit später fehl und wir landeten in Stellung Nr. 3, die eine Art Zugzwang beinhaltet. Der h-Bauern kann zwar laufen, aber spätestens nach h6-h7 gehen ihm die Züge aus, da ich auf der langen Diagonale einfach Abwartezüge mache. Kurze Zeit später hatte ich diese Partie (doch noch) gewonnen. Irgendwie versöhnt und mit dem Gedanken, dass Glück und Unglück sich doch in etwa die Waage gehalten hatten (in Runde 8 kam alles Unglück zusammen, daher wirkt es zunächst so "schlimm"), fuhr ich zu meinen Lieben.

VfB-Open Leipzig (März)

Das VfB-Open ging heuer in die 19. Runde. Nach Cesenatico 2008 und der LEM 2009 mein erstes richtiges Turnier. Mit Vorfreude stellte ich mich (wieder) dem ganz normalen Open-Wahnsinn. Traditionell verlangen die drei Doppelrunden bei 6 Stunden Gesamtbedenkzeit den Teilnehmern (physisch und psychisch) so Einiges ab. Meine letzte Teilnahme datierte aus 2006. Damals konnte ich mich bis zur Schlussrunde ohne Niederlage in die günstige 5,5/8-Gruppe manövrieren, verlor dann aber die auf Sieg angelegte Schlussrundenpartie.

Bevor es losgeht noch schnell die Handys aus Quantitativ war das VfB-Open mit 119 Startern durchschnittlich besetzt. Qualitativ hätte ich einige Titelträger und Spieler 22+ mehr erwartet. Der Punktspieltag in den sächsischen Ligen am Schlussrundensonntag, die gleichzeitig stattfindende DEM (M. Ohme, N. Schütze, Chr. Schindler, F. Meißner...) und die Frühjahrsmüdigkeit sorgten wohl dafür, dass die "Zweite Reihe" etwas dünner besetzt war als sonst. Für den Platz an der Sonne zeigten sich Seriensieger GM Alexander Graf und GM Igor Rausis interessiert. Beim Flanieren durch die beiden Spielsäle (Brett 1-30 und 31+ waren getrennt) kam man aus dem Grüßen und Händeschütteln nicht heraus. Ein Wiedersehen gab es z. B. auch mit Daniel Platz (SSC Annaburg), der nach sehr gutem Turnier erst in der letzten Runde eine hervorragende Platzierung aus den Augen verlor.

Teile des Org-Teams In meinen Tagesberichten hatte ich mich (neben subjektiven Berichten) auf den Turnierverlauf von Thomas "FCB" Hentzgen, Benedikt "Ben" Weber (beide USV Halle) und Florian "Floh" Heyder (SV Sangerhausen) fokussiert. Freud und Leid waren - wie so oft - nah beisammen. Die GM's Graf und Rausis gaben bereits in Runde 3 halbe Punkte ab (gegen Floh und L. Partzsch), sodass zunächst die Underdogs die Tabelle anführten. Nachdem beide Titelträger einen weiteren halben Punkt an die Konkurrenz abtreten mussten, schien eine Überraschung (was den Sieg des Opens betrifft) möglich. Nach 5 Runden führten Nabavi, Kunz, Hentze, IM Troyke und Schuster mit 4,5/5. Ich hatte in Runde 1 über die volle Zeit gehen müssen und gewann nur durch einen Fehler meines Gegners. In Runde 3 gab ich relativ schnell Remis, um meine Urlaubswoche auch ein wenig mit der Familie teilen zu können.

Schlussstellung nach 19. Lc4 In Runde 4 gewann ich recht schnell gegen Rüdiger Schönrock (SV Merseburg), der eine interessante Fortsetzung mit gleichem Spiel verpasste. Im fünften Umlauf konnte ich Altmeister Stefan Göttert sprichwörtlich niederringen - 23.15 Uhr war ich zuhause. Nach der Vereinspaarung der USV'ler gingen beide getrennte (Turnier-)Wege. FCB spielte solide, sammelte fleißig Punkte und hatte die "tollen" Lose Tüte Lehmann, Brain und "kampflos" noch vor sich ;-) Dass sich Ben eine Elozahl erspielen würde, war von Vornherein klar. Leider konnte er sein Anfangstempo nicht halten und musste im zweiten Spielsaal um Zählbares kämpfen. Rechtzeitig wurde er aber wieder wach und erspielte sich mit einem Schlussrundensieg ordentliche 4/9. Floh spielte weiterhin vorn mit und verlor erst in Runde 5 mit Schwarz gegen IM Troyke, nachdem er Andreas Schultz (SG Leipzig) in einer interessanten Partie besiegt hatte.

Sven und Thomas bei der Siegerehrung Ich konnte mit Zähigkeit gegen IM Troyke in Runde 6 remisieren, verlor aber - mit einigem Abstand betrachtet - recht klar gegen GM Rausis, da ich meine Stellung einfach etwas überschätzte. Runde 8 brachte mir mit FCB ein Traumlos (in jeder Beziehung) ;-) Ich konnte schnell ausgleichen, triefte mich aber beim Versuch, ein besseres Endspiel zu erreichen, in starke Zeitnot. Sein Remisgebot nahm ich dankend an. Floh hatte gegen den stark aufspielenden Markus Hentze (SG Leipzig) ein gewonnenes Endspiel auf dem Brett, konnte es aber leider nicht verwerten. Daher gab es als Strafe die Letztrundenpaarung Schuster - Heyder zu bestaunen. FCB wurde hochgelost (Wie geht das denn?) und konnte zweizügig mattsetzen. Von diesem Schock hat er sich nun hoffentlich erholt. 6,5 Punkte hätten Platz 7 bedeutet. Nachdem Floh und ich die Friedenspfeife geraucht hatten, machten wir uns zu einem kleinen Stadtbummel auf. Beim Gerangel um die begehrten Plätze konnten wir dank guter Wertung Platz 8 (Floh) und 11 konstatieren. FCB fiel durch die unglückliche 0 zurück. Schlechtes Timing kann man den beiden Erstplatzierten hingegen nicht vorwerfen. Ohne gegeneinander gespielt zu haben, schoben sie sich mit abschließenden Sieg auf die Plätze 1 und 2 (gemäß Setzliste). Der überragend agierende Konstantin Kunz (SC Kitzingen) hatte mit 7/8 geführt (u. a. Remis aus der Position der Stärke heraus gegen GM Graf) und wurde schlussendlich Dritter. Hervorzuheben ist noch das Abschneiden von Aaron Kieslich vom TuS Coswig. 6,5 Punkte sind bei dieser Gegnerschaft ein echtes Ausrufezeichen. Ich nehme an, dass Coswig nächstes Jahr die Qual der Wahl hat, wenn es um die Aufstellung für die I. Mannschaft geht.

Zeitsprung:

Studium begonnen und beendet
Wechsel zur SG 1871 Löberitz
Oberligaspieler
Ehemann
zweifacher Vater

... und immer noch Brain

2000

Dresden (Juli)

Ins sächsische Dresden zog es mich zusammen mit einer Truppe von Aufbau-Elbe Magdeburg im Sommer des Jahres 2000. Hier stellten wir u. a. fest, dass auch ein Wolfgang Uhlmann gern Straßenbahn fährt ;-) Jens "Nudel" Windelband hatte uns eine Übernachtungsmöglichkeit bei seiner Tante in Dresden besorgt, so dass Anne "Goldie" Goldammer, Robert "Robby" Schlichthaar, Erik "Junior" Strumpf, Igor "Ivo" Neyman, Jens und ich zunächst unterkunftstechnisch versorgt waren.
In Dresden wurde (wird?) mit einem besonderen Auslosungssystem gearbeitet. In den ersten beiden Runden spielte das erste Drittel unter sich (wohl zum Normenerwerb gedacht), während die restlichen 2/3 des Feldes sozusagen "gesondert" agierten. Ab Runde 3 wurde dann "normal" ausgelost. Ach übrigens: die Infos, Ergebnisse etc. findet man noch auf der Seite vom Dresdner Schachfestival. Jens gelang gleich in der ersten Runde ein toller Erfolg: er schlug IM Suren Petrosian. Dieser Sieg wurde jedoch seiner Meinung nach dadurch "herabgewürdigt", dass selbiges auch Robby einige Runden später gelang. Jens:"Och man, da gewinnt man mal gegen einen IM, und dann ...quot;.
Meinereiner gewann die ersten beiden Runden und verlor dann brav gegen IM Alexander Naumann, während Ivo gegen Altmeister GM Uhlmann ein Remis erreichte! Mit 3/3 (gegen einen Riesenschnitt!) nahm Robby in Runde 4 an Tisch 4 gegenüber von GM Saltaev Platz. Und? - spielte Remis! Wer Robby kennt, der weiß, dass sein Statement (nachdem sein Gegner bekannt war) am Abend vorher "Mmh, jetzt habe ich 3/3 ... (Coach-Pause) wenn ich morgen gewinne, habe ich 4/4" durchaus ernst gemeint war. Und wir Ungläubigen haben gelacht! Er spielte wirklich ein Wahnsinnsturnier! An dieser Stelle sei der allgemeine Tagesablauf nach einer Runde erwähnt:
Nachdem wir uns zu Fuß zu unserer Unterkunft aufgemacht hatten und unsere Bäuche gefüllt waren, zogen sich die meisten zum EWTA (ich glaub' so heißt das) zurück, während ich mir immer das Fahrrad von Jens' Tante schnappte und zum Hotel fuhr, wo die "gediegeneren" Herrschaften residierten und die Auslosung aushing. Mit Zettel und Stift bewaffnet war meine Tour de Dresden somit zwar streckenmäßig sehr eintönig, doch lieferte sie eine willkommene Abwechslung zum Schach-Alltag. Ich glaube, einmal war Jens sogar mit mir unterwegs ... und wir stellten fest, dass drei Trikots für zwei Leute mehr als genug sind. ;-) Das Turnier barg aber noch einige andere Tücken: Junior machte (bei ihm lief es gar nicht) leider erst in einer der späteren Runden die Bekanntschaft eines ganzen Punktes. Am nächsten Tag wurde er aber in der Auslosung in seinem Punktzahlbereich sein Brett suchend nicht fündig. Was war passiert? Er hatte einfach vergessen, sein Ergebnis (seinen SIEG!) am Vortag einzutragen. Die Organisatoren hatten dies auch nicht erraten können, und da sein Gegner auch nicht so "freundlich" war, seine 0 zu notieren, wurde Erik eben mit einem Punkt weniger ausgelost und hatte zweifellos einen schwächeren Gegner zugelost bekommen, als ihm punktzahlmäßig zugestanden hätte - ja, c'est la vie! Robby zog weiter sein Superturnier durch, während wir anderen wohl nicht so recht zufrieden sein konnten. Der altbekannte Fahrstuhl schlug einfach zu oft zu! Jens gefiel es in Dresden offenbar so gut, dass er es sogleich als seinen Studienort auserkor. Ob ihm das damals wirklich schon vorschwebte?

Düsseldorf (Dezember)

Einen sehr guten Eindruck von diesem "Schachturnier mit Hindernissen" liefert der Bericht von Nudel auf den hiesigen Seiten. Im tiefsten Winter (und entsprechendem Wetter) fährt man (natürlich mit Sommerreifen ausgestattet!) nach Düsseldorf, um viel, aber wirklich viiiel Spaß zu haben! Die Crew, die dorthin gefahren ist, lässt sich wirklich kaum beschreiben. Illustre Gestalten en masse! Diesen Trip hat wahrscheinlich jeder von uns noch im Gedächtnis. Durch im Voraus durchaus einkalkulierbare Unwägbarkeiten kamen wir viel zu spät (doch endlich!) in Düsseldorf an. Auf dem Weg dorthin wurde klar, dass wir zunächst die Eröffnung, dann das Andrücken der Uhren und schließlich auch das "Stundenlimit" nicht mehr miterleben durften. Jedenfalls nicht am Brett. Das hieß für einige von uns (inklusive mir), ungewollt pausieren, da mein Gegner selbst mit zwei gegen eine halbe Stunde nicht gewillt war, die Partie noch zu spielen. So ein kampfloser Punkt bringt ja auch so viel! Kein Kommentar. Nudel und Wance ging es genauso, Ambi machte sich keinen Stress und ließ ebenfalls Runde 1 "rutschen". Normi & Co(ach) z. B. zockten mit dem viertel der Bedenkzeit ihrer Gegner selbige z. T. noch ab. Für mich war mit dem kampflosen Verlust (komischer Terminus) das Turnier irgendwie schon gelaufen. Natürlich will man sich dann nach vorn kämpfen - aber bei 7 Runden. Symptomatisch ist dann auch, dass dieser Plan meistens sowieso nicht klappt. Schachlich konnte man das Ganze wohl unter Ulk verbuchen, aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Nudel war der einzige Lichtblick des Turniers. Durch die kampflose Null in Runde 1 keineswegs eingeschüchtert, legte er Dominostein an Dominostein, Sieg an Sieg. Mit hervorragenden 5/6 (eigentlich also 5/5) spulte es ihn in Runde 7 nach ganz vorne und plötzlich ging es richtig um was. Leider war die Liebe zur Symmetrie 0111110 größer als die Gier nach Geld, Ruhm etc. Schade! Ansonsten gab noch drei Vereinspaarungen zu bestaunen - bei so vielen Teilnehmern von uns aber keine Überraschung! Dass es neben dem Brett (wie oftmals!) sowieso viel lustiger zuging, dem werden wohl viele zustimmen. Hervorzuheben ist dabei natürlich die Tatsache, dass Wance plötzlich den Coach heiraten wollte, ("... für mich allein ...") in einer ordentlichen Zeremonie mit jeder Menge Zeugen wurde dies dann auch in die Tat umgesetzt. Doch kaum hatte Coach den Ring (der notdürftig aus der Verpackung einer Sektflasche gebastelt wurde) am Finger, da streuten sich die Gerüchte ... Mittels der Fotos möge sich der geneigte Leser sein eigenes Bild verschaffen. Als das Turnier dann bereits Geschichte war, feierten wir am Rhein-Ufer in Köln in das neue Jahr hinein. Ich glaube ehrlich, die Stadt atmete erleichtert auf, als Scoobis Sommerreifen wieder den Rückweg antraten ...

1999

Willingen (Juli)

Ein herrliches Turnier fand im Sommer des Jahres 1999 in Willingen/Upland statt. Aus dem schönen Hessenlande, was seitdem bei Jugendmeisterschaften ganz hoch im Trend steht, (DEM Jugend 2001 und 2003, DLM Bad Homburg) kann ich jede Menge Interessantes berichten. Hier hatte ich zum Beispiel den "First Contact" mit Helmut Schumacher, einer, der sich in den letzten Jahren wahrlich für das Schach auf Hessen- aber auch auf deutscher Ebene sehr engagiert hat. Auch die Turniere in Bad Zwesten (da waren Holly und Alex mal), Baunatal oder Kassel sind fest in Händen des Teams um Helmut.
OK, jetzt zu Willingen. Wir, das waren Weuni, der Coach und ich, hatten es uns in einer Pension gemütlich gemacht. Glücklicherweise trafen wir beim Turnier auch noch Di Napoli, der auch den Weg dorthin gefunden hatte. Somit war die Grundlage für Lachkrämpfe also gelegt. An einem Tag verabredeten sich der Coach und Di Napoli gegen 10.00 Uhr zum Wandern. Als die Runde um 14.00 Uhr begann, war von den beiden nichts zu sehen. Gegen 14.30 Uhr kamen sie dann mit dem Taxi! zum Spiellokal. Herrlich - man hatte sich wohl verlaufen! Eine andere Szene beim gemeinsamen Abendessen: Coach: "Ach, morgen spiele ich mal Sizilianisch." Nach den ersten 3 Halbzügen 1.e4 c5 und 2.Sf3 betrachtet der Coach das Brett und meint: "Und was macht man jetzt?" Di Napoli lag am Boden. Vor Lachen.
Das Turnier war wirklich toll besetzt. Wann spielt man schon mal mit Vladimir Epishin (der auf dem Parkett mit seinen quietschenden Schuhen während der Runde immer einen halben Marathon hinlegte) und Victor Kortschnoi zusammen in einem Turnier? Dazu noch mehrere GMs und IMs. Der Riesen-Preisfond hatte wohl gelockt. Weuni verlor erst durch einen kleinen Aussetzer gegen Epishin, nachdem er hervorragend gespielt hatte. Coach holte sich gegen GM Tischbierek in Runde 1 eine Lehrstunde ab, konnte sich später aber noch über eine Halbzahl freuen. Di Napoli und ich durften gegen GM Lau spielen. Nachdem er mich nach 5 Stunden (ähnlich bei Dieter, der hat die Partie auf den Zeitzer Seiten kommentiert) niedergekämpft hatte, bemerkte der GM: "Naja, gibt ja so viele Partien von mir - hast dich bestimmt vorbereitet oder?" Hatte ich aber gar nicht. Nach durchwachsenen 2,5/5 gewann ich die letzten 4 Partien und landete als 10. sogar vor 2 GMs und konnte einen Ratingpreis mein eigen nennen. Weuni gewann einen Jugendpreis. Die Rückfahrt gestaltete sich derart, daß wir zunächst in Kassel noch ins Kino gingen (so gegen Mitternacht), und gegen 4.00 oder 4.30 Uhr frühmorgens beim Coach eintrudelten. Die Begrüßung durch Robert war natürlich obligatorisch.

Neumünster (August)

Sommerzeit = DLM-Zeit! Wenn es sich die einen in der Sonne gut gehen lassen, treibt es andere zum Schachspielen - das muß man sich mal vorstellen!
Wieder mal war es soweit. Diesmal zog es die Landesverbände ins in Schleswig-Holstein liegende Neumünster. Mit von der Partie natürlich auch wieder Betreuer Holly sowie Pinky & Brain. Bei den Mädels waren neben Gundula David auch noch Bettina Wieland und Franziska Tausch dabei. Bei den Jungs gab - so glaube ich - Igor sein Debüt "auf zwei" (wie Willi sagen würde). Robby Robman und Junior machten 2-4 AEM perfekt (leider nur 7/21), komplettiert wurde die Mannschaft durch "Uschi" Andreas Berndorff und Marcus Grieger, der mit 4,5/6 und einem kampflosen Punkt der Topscorer des Teams wurde und den von mir angebrachten (und von Di Napoli/Hubert Reimann stammenden) Spruch "Es gibt schon noch Spieler" sofort zum Kult erklärte.
Die Mädchen belegten einen hervorragenden 3. Rang, wobei Gundula mit 6/7 riesig auftrumpfte. Mit 0,5/3 startete ich am Spitzenbrett verhalten, konnte mich dann aber doch merklich steigern. Einem Sieg gegen Thorben Rakow und zwei Remisen gegen Superfuffzger und Martin Zumsande konnte ich in der letzten Runde mit einem Sieg noch auf den 50%-Zug aufspringen und die Meisterschaft als Erfolg verbuchen.

Erfurt (Dezember)

Während es den Großteil von der mit dem "ich-muß-vom 26.12.-30.12. ein -Schachturnier- spielen"-infizierten Virus nach Bad Neustadt zog (u. a. Normi, Reyk, Wanze, Coach, Weuni [Anm. Riker: , Flash, Jule, Ambrosi ...]) versuchte ich in Erfurt beim Weihnachtsturnier mein Glück. Mit 4/8 (dieses Turnier wird traditionell 8-rundig gespielt, für die meisten etwas ungewohnt) gelang mir das auch ganz gut. Mit Norbert Krug, Thomas Hänsel und noch 2 FMs konnte ich mich über gute Gegnerschaft nicht beklagen. Am letzten Tag wurde ich dann von der aus Süden (Bad Neustadt) nach Thüringen vorstoßenden Truppe in Erfurt aufgegabelt und die Reise ging los! Wohin? Nach Karlsbad oder besser Karlovy Vary in Tschechien. Dieses hatten wir uns als Ort ausgeguckt, wo wir das Jahr 2000 begrüßen wollten. Gruppenfoto Karlovy Vary Schnell eine Unterkunft im tief verschneiten Karlsbad gesucht und dann wurde sich preisgünstig der Magen voll geschlagen. Neben Schneeballschlachten und winterlichen Spaziergängen wurden als übliche Souvenirs natürlich Oblaten eingepackt. Zu Hause wurde dann mit schnalzender Zunge Schoko- , Vanille- und was weiß ich noch für Sorten genüsslich aufgegessen.

1998

Regensburg (Januar)

In den Süden Deutschlands trieb es Anfang des Jahres 1998 eine Delegation Sachsen-Anhaltiner/innen. Neben einem gewissen Alexander Naumann waren (damals) junge Kämpferherzen aus unseren Breiten unterwegs Normi, (der Bekanntschaft mit FM Bodo Schmidt machte, der unseren Panzerschütze nach dem jetzigen Stand der Dinge (man traf sich noch einmal bei einem anderen Turnier, wo wiederum der FM die Nase vorn hatte) mehrere Getränke sowie einen Apfelstrudel ausgab. Feine Geste! Aber so sind Schachspieler halt!) Pinky, und auch meiner-einer versuchten auf der großen Bühne des Schachs (Riesenbesetzung, Teilnehmerzahlen >200) Fuß zu fassen. Einiges Kuriose gab es von diesem Turnier zu berichten: Zunächst muß einmal bemerkt werden, daß Turnierfavorit Alexander Nenashev (jetzt besser als Graf bekannt) in der ersten Runde stolperte (und sogar fiel!), danach aber mit strengen 6/6 das Feld von hinten aufrollte, und noch geteilter Turniersieger wurde. Seine Erstrundenpartie war natürlich in "Schach" abgedruckt - Opium für das (gemeine) Volk. Mein Turnier verlief rein farbtechnisch relativ eintönig. Was das heißt? Wenn ich immer Schwarz gehabt hätte, dann hätte ich 7/7 gehabt. In all meinen Partien ging Schwarz als Sieger vom Brett; dummerweise hatte ich auch ab und zu mal Weiß - Hmm. Typisches Fahrstuhlturnier: Mit Weiß brav die 0 abgeholt und mit Schwarz immer gekämpft, bis der volle Punkt in Sack und Tüten war. Am Ende waren es damit 4/7, ein Sieg gegen einen gleichstarken Gegner war dann ein versöhnlicher Abschluß, ehe es wieder Richtung Norden ging.

Leutersdorf (Februar)

Nachdem die LEM Jugend über die Bühne gegangen war, machte ich (was für ein Schach-Drang!?) auf ins sächsische Leutersdorf. Ein wahrhaft abgelegenes Örtchen irgendwo im Niemandsland. Ich hatte mir ein Zimmer in einer Pension sichern können, unweit vom Spiellokal entfernt. Dort waren mit Holger Fiedler und Paul Hoffmann auch zwei sächsische Talente untergebracht. (Der sächsische Nachwuchs nutzt dieses Turnier schon seit Jahren als Kaderturnier.) Mittlerweile dürfte sich spielstärketechnisch einiges geändert haben tja, die Zeit holt einen eben ein! "Paule" spielt jetzt beim Dresdner SC und hat dort sicherlich hervorragende Bedingungen. Holgers Namen habe ich letztens bei der Nato-Meisterschaft gelesen (ja, auch junge Talente kommen mal ins Bundeswehralter!). Mit den Schwarzsiegen ging es bei diesem Turnier sogleich weiter. Glücklicherweise konnte ich gegen U. Skorna aus Cottbus im Laufe des Turniers auch mal mit Weiß gewinnen, so daß ich mit 5/8 in Runde 9 gegen den GM Wolfgang Uhlmann spielen durfte. Natürlich mit Weiß! Jeder weiß, was das bedeutet. Ich bekam eine Lehrstunde in Französisch. Trotzdem war es für mich eine schöne Erfahrung, mit so einem bekannten Spieler die Klingen kreuzen zu dürfen. Mit ordentlichen 5/9 verbinde ich also ganz gute Erinnerungen an dieses Turnier.

Weimar (August)

In die jetzige Heimat von Reyk verschlug es uns im Sommer 98. Wieder einmal hatte sich das jetzige Leipziger Duo auf die Suche nach guten Partien und jede Menge Schachstorys gemacht. Mit Erfolg! Zunächst durfte Normi (weil irgendwie spät oder ohne DWZ angemeldet; achso, ich hatte vergessen zu erwähnen, daß es ein Götz-Preuße-Turnier war) pausieren. Erste Runde spielfrei - Toll, oder? Das fand Normi natürlich nicht. Das erste, was mir von diesem Turnier in Erinnerung geblieben ist: Heiko Machelett betrachtet vor der 1. Runde die Startrangliste und kommentiert sie mit "Ach Gott, ist das schwach besetzt". Dies war einer jener Momente, als Normi und ich sich wie ein altes Ehepaar ansahen, und beide wussten, daß sie dasselbe denken. Ein Grinsen war uns mindestens ins Gesicht geschrieben. Ferenc Langheinrich spielte ein Riesenturnier. Erst in der letzten Runde verlor er in Führung liegend gegen Heiko Machelett, der damit das Turnier gewann. Daraufhin fanden wir sein Statement vom ersten Tag noch dreister. Ferenc hatte unter anderem GM Peter Enders besiegt, der vermutete, daß sich die Altmeister GM Uhlmann und GM Hecht über seine Partie unterhielten und Ferenc das wohl gehört hätte. Wie es wirklich war, weiß ich nicht, jedenfalls beendete GM Peter Enders nach der Niederlage das Turnier sofort. Ich hatte übrigens wie schon in Leutersdorf mit GM Uhlmann das Vergnügen, wieder mit Weiß. Ich mußte mir danach anhören, daß die meisten Spieler versuchen, gegen ihn mit dem Abtauschfranzosen versuchen, auf Remis zu spielen, er damit aber die meisten Partien gewinnt. Ich spielte nur exd5, weil ich hoffte, hier mein Theoriedefizit minimieren zu können. War wohl der falsche Plan. In Runde 7 dann NATÜRLICH das Duell gegen Normi. Leider würdigten diverse an unserem Brett vorbeilaufende Zuschauer die Partie nicht zur Genüge. Ein aufmerksamer INFORMATOR-Leser hätte die zu unserer Partie passende Memory-Karte bei sorgfältigem Suchen sicher gefunden.

1997

Schwarzburg (Juli)

Im Sommer 1997 fand im thüringischen Schwarzburg einerseits die Offene Deutsche Meisterschaft U17w (Pinky hat sich die Teilnahme natürlich nicht nehmen lassen) und das 2. Abrafaxe-Open statt. Im Mädchenturnier nahmen außerdem eine gewisse Katrin Schmuck sowie die Hauer-Sisters (bekanntes Geschwisterpaar aus Leipzig) teil. Pinky erreichte das Podium, welcher Platz es genau war, sollte eine kurze Rückfrage mit unserem 7. Brett (oder Pinky selbst!) klären, schließlich muß ja nicht immer nur ich mein Gedächtnis anstrengen, gelle!? Im Open konnte ich meine erste ELO-Halbzahl (ca. 2160) erspielen. Mit Andreas Breier, Daniel Fuhrmann, Thomas Pähtz jun., Raul Jordan und Marcos Kiesekamp waren 5 Elo-Gegner am Start. Ich mußte mich also nur bemühen, in den 9 Runden wenigstens 4 von ihnen zugelost zu bekommen. Nach 7 Runden hatte ich 2,5/5 gegen die oben genannten geholt und die Halbzahl war perfekt. Ich bekam vom absolut coolen Schiri Carsten Schmidt sogar einen Ausdruck auf dem alles vermerkt war. Richtig offiziell sozusagen. Kultig war auch die Unterkunft dort. Ich war zusammen mit Thomas Liebold (Thüringen) bei einer Familie untergebracht. Da war immer gemeinsames Frühstück mit der beherbergenden Familie angesagt. ("Noch etwas Tee?") Aus dem ODEM U17w-Turnier waren dort auch noch Mädels untergebracht. Neben uns waren also auch noch Mary Ann Cordes (den Namen fand ich einfach cool, deswegen habe ich ihn mir sicherlich auch gemerkt) und Annette Klein ("Der Roland ...") beim Frühstück dabei. Dialektische und phonetische Unterschiede konnten dabei sofort erkannt werden.

Schopfheim (Juli)

Meine zweite Deutsche Einzelmeisterschaft. In diesem Jahr wurde sie dezentral ausgerichtet. Die U17m sollte im südwestlichen Zipfel Deutschlands, in Schopfheim, stattfinden. Die Anfahrt mit dem Zug (ich glaube, es waren 10 Stunden!?) gestaltete sich dementsprechend langwierig und führte sogar über Basel. Dummerweise war für mich kein Betreuer vorgesehen. Das ist halt der Nachteil bei einer dezentralen Organisation. Kleine Landesverbände können dann eben nicht zu jeder Meisterschaft einen Betreuer schicken, obschon sie dies irgendwie versuchen sollten. Ich meine OK, ich war 17, konnte mich schon alleine anziehen und auf Toilette gehen, aber so ein schachlicher Betreuer wäre schon nicht schlecht gewesen. Es wurde dann folgendes "ausgehandelt". Bernd Vökler aus Thüringen sollte mich (neben den Thüringern Ferenc Langheinrich und Raul Jordan) mitbetreuen. Gut, einverstanden. Es ist schon vorteilhaft, wenn man sich mit jemandem die Partien anschauen und sich ordentlich vorbereiten kann. Die DEM war ganz gut besetzt, hier nur einige Namen: R.Buhmann (der hatte damals DWZ 2050, heute >2500, unglaublich), D.Breder (jetzt IM und Bundesliga 1. Brett), O. Wegener, St. Bromberger ("Brommel" damals schon mit ELO >2300), M. Duppel (jetzt auch IM), M. Zumsande In der ersten Runde konnte ich Alexander Markgraf, (war schon in der BL für Magdeburg aktiv) die Nr. 3 der Setzliste in einem 7-Stunden-Match niederringen und in Runde zwei gelang mir ein Remis gegen den späteren Deutschen Meister Dennis Breder. In Runde 3 wartete dann Ferenc Langheinrich auf mich. Ich wußte natürlich nicht, daß Bernd in der Nacht angekommen war und - ehe er auch für mich da war - Ferenc gegen mich vorbereitet hatte. Mmh. Naja, es lag wohl nicht nur an der Eröffnung, er war dann doch eine Nummer zu groß für mich. Im Folgenden war ich dank der Wertung (bei den Deutschen zählt immer der DWZ/ELO-Schnitt der Gegner als 1. Wertung) und einem Score von 50% immer gut dabei. Ein ordentlicher Platz schien sich anzukündigen. Nachdem in Runde 8 mit einem Remis gegen Brommel die zweite ELO-Halbzahl innerhalb von 4 Wochen perfekt war, saß ich in Runde 9 Roland Voigt gegenüber. Leider verlor ich diese Partie und rutschte noch auf Platz 15 ab, ein Remis hätte wohl Platz 10 bedeutet. Trotz allem ein ordentliches Turnier. Raul und ich waren zusammen mit den beiden Teilnehmern aus dem Saarland bei einer Familie im Nachbarort untergebracht. Beim Essen eines Bratens (hab den Namen vergessen) wurden Raul und ich ("Was, ihr kennt das nicht?") etwas komisch angeschaut. Aber das war ja anzunehmen. Vom Hausherren stammt auch das - wie ich finde - lustige Zitat "Es gibt badische und unsymbadische" - natürlich muß man das hören, wenn ein Einheimischer das sagt. Wir vier übten mit dem Rad dann jeden Tag, als wir immer zur Runde fuhren, den Belgischen Kreisel, denn schließlich war auch Tour-de-France-Zeit. Alles in allem schöne 10 Tage.

Templin (November)

Die DLM stand wieder mal an. Normi und ich waren nominiert. Normalerweise hätten wir an Brett 3 und 4 gespielt (schließlich waren wir noch B-Jugendliche), aber irgendwie war die Zusagemotivation einiger Nachwuchsspieler ziemlich mau, so daß ich an 1 und Normi an 2 die Klötzchen schoben. Holly war das erste Mal als Betreuer dabei, leider war er zu alt, um selbst aktiv zu werden. Aber die Teilnahme ließ er sich natürlich nicht nehmen. Zugucken ist ja bekanntlich meistens sowieso lustiger. Gegen Bayern kreuzte ich dann das erste Mal mit dem "Tribunal" Ludewig (jetzt Schwabach) die Klingen. Leider nicht so erfolgreich wie anno 2002 in Böblingen. Kuriosum am Rande: Angeblich (ich weiß es nicht 100%ig) sollte der Coach alias Oliver Duchrow eingeladen werden (wahrscheinlich für Brett 1 oder 2), jedoch ging die Einladung an SASCHA Duchrow, den Bruder vom Coach, der jedoch "nur" an Brett 6 aktiv wurde. Gerüchte rankten sich um eine Verwechslung. Mit im Team waren noch Christian "Wagi" Wagner, der eines der besseren Resultate unseres Teams erspielte. Ebenfalls an Bord: Stephan Reinsch, der Holly immer fragte, ob er denn Remis bieten dürfe, meistens aber die Antwort: "Kannst du machen, die lehnen aber eh' ab" bekam, Sascha Duchrow und Erik Strumpf.

Magdeburg (Dezember)

Das erste und einzige Mal nahm ich mit dem 1. SC Anhalt an einer DVM teil. Über die Jugendbundesliga hatten wir uns qualifiziert. Jedoch war dies nur möglich, weil der USV Halle einen Spieler zweimal aufgestellt hatte, der aber nicht spielte (also -+), in irgendeinem späteren Spiel aber wieder agierte. Das war wohl nicht zulässig. Zumindest in der Jugendbundesliga. Ja, ich glaube so war das. Wir spielten mit R. Schubert, M. Schuster, St. Boese, M. Nowakowski, St. Skupin und St. Gruß - glaube ich zumindest. Oder war Gundula noch dabei? Kann sein. Gegen AE Magdeburg durfte ich gegen Bolle ran. Ob er damals schon NSP war? Oder ist man das zeitlebens? Mit Schwarz konnte ich den jetzigen Wahl-Weimarer besiegen. An BCB war auch noch nicht so richtig zu denken, verdaute der Coach wohl gerade die Teilnahme seines Bruders! bei der DLM. Ossi coachte uns jedenfalls auf einen hinteren Mittelfeldplatz. Alexander Naumann führte die Mannen vom USC Magdeburg an, die als Ausrichterteam einen Freiplatz bekommen hatten. Das war natürlich eine feine Sache. Holly hat dieses Team betreut und Bummi, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, die Organisation für die DVM übernommen.

1996

Mühlhausen (April)

Weil man sich natürlich schachlich verbessern will, fährt man zu Turnieren. Deshalb hatte ich mir (zusammen mit einem Vereinskameraden vom SSC Annaburg, meinem damaligem Verein) Mühlhausen in Thüringen ausgeguckt. Ein Götz-Preuße-Turnier. Wer den Artikel von Di Napoli gelesen hat, weiß, warum ich das hier extra erwähne. Ich war mit großen Erwartungen zu diesem Turnier gefahren, ich wollte mich an stärkeren Gegnern messen, denn die Ausschreibung (bis 2350 offen) sah dafür recht vielversprechend aus. Doch als ich vor Ort die Teilnehmerliste sah, mußte ich feststellen, dass ich mit DWZ 1791 an Platz 2 gesetzt war. Vor mir stand nur noch ein gewisser Raul Jordan. Mit ihm habe ich in den nächsten Jahren (DEM Pinneberg, DEM Schopfheim, diverse DLM) jede Menge Lustiges erlebt. Wir hatten wirklich immer viel Spaß! Raul wurde in den Folgejahren mehrfach Thüringer Jugendmeister und vertrat so die Farben Thüringens bei den Deutschen. Jetzt hat er sich in Jena der Biologie (in besondere Weise dem Studium der Ameisen!) gewidmet und hat sich vom Schach weitestgehend zurückgezogen. Schade, wie ich finde. Das Turnier in Mühlhausen gewann er mit 6/7 und der besseren Wertung. Ich wurde Zweiter. Wir gaben beide (außer der Punkteteilung gegeneinander) nur noch ein Remis ab, er hat das wohl aber irgendwie cleverer gemacht. g*

Labrun (Mai)

Meine erste Teilnahme am Landopen des SV Jenapharm Jena in Labrun (einem kleinen Dorf direkt neben meinem Zuhause Prettin) sollte nicht die letzte bleiben. Bis 2002 nahm ich (seit 2000 heißt das Turnier Georg-Schönfelder-Open, zum Gedenken an Georg Schönfelder, der sich in der Region lange Jahre um das Schach bemüht hat) insgesamt sechsmal teil. Neben einem dritten Platz 2000 sprang 2002 sogar der 1.Platz heraus.(die Tagesberichte sind noch auf unserer Seite zu finden) Das Turnier wird immer vom souveränen Bernd Mißbach durchgeführt, der beim SV Jenapharm Jena aktiv ist. (lange Jahre Oberliga Ost) Das Turnier ist für mich auch deshalb zum Dauerbrenner geworden, weil man zu jeder Runde einfach nur 15 Minuten mit dem Fahrrad braucht und noch dazu "Hotel Mama" frequentieren kann, das ist natürlich ideal!

Schöneck (Juli/November)

Dieser Ort im schönen Sachsen wurde in diesem Jahr gleich zweimal besucht. Zunächst verschlug es uns (d.h. G.David, Pinky, Normi, mich und noch einige andere) zur Vorbereitung der DEM zur IDJEM - Internationale Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft. Dort spielte ich unter anderem gegen die jetzt in der Bundesliga für Turm Emsdetten spielenden Niederländer Merijn Van Delft und Lucien Van Beek. Immerhin sprang ein halber Punkt dabei heraus. Doch ansonsten knüpften wir eifrig Kontakte mit Holger Pröhl, der zur selben Zeit in Schöneck bei einem IM-Turnier tätig war. Die für eine Norm notwendigen +3 waren glücklich aber schnell zusammen, jedoch verhielt sich Holly dann gewohnt solide, so daß ihm eine 0 in der letzten Runde die Norm zunichte machte. Ich denke, wenn er die Norm da gemacht hätte, dann wäre er jetzt schon IM! Bei der DLM m/w im November war Holly auch wieder dabei. Die Aufstellung lautete H.Pröhl, D.Dexter, M.Schuster, R.Schubert, N.Schütze (hey, Debüt!) und E.Strumpf. Wie immer war ein hinterer Mittelfeldplatz unterm Strich zu konstatieren. Beachtenswert die 7/7 von Raul Jordan (siehe oben) für Thüringen. Unsere Mädels wurden 2. oder 3., das weiß ich nicht mehr so genau, Die Aufstellung war m. E. dieselbe wie im Vorjahr, natürlich ohne Gewähr.

Pinneberg (Juli)

Da war es nun soweit. Meine erste Deutsche Einzelmeisterschaft. In einer Kaserne in Pinneberg (nahe Hamburg) waren ALLE Altersklassen + Betreuer + Eltern untergebracht. Alexander Naumann und Holger Pröhl (beide Betreuer) waren ebenso mit von der Partie wie René David (U20 Vorrunde), Normi (U15), Gundula David (U15w) meine Wenigkeit (U17) und natürlich noch die Vertreter der jüngeren Altersklassen, die ich aber nicht mehr ganz genau weiß. In der U17 konnte man schon auf den einen oder anderen heute bekannten Namen treffen, so z. B. Jan Gustafsson oder Matthias Duppel, jetzt beide IM. Tja, und was ist aus mir geworden, g*? Meine 3/9 reichten nur für Platz 21 von 24 Teilnehmern. Mangelnde Erfahrung und fehlende Cleverness reichten einfach nicht für mehr.

Apolda (August)

Eines der Open in Thüringen. Im Jahr 2002 feierte es bereits seine 11. Auflage. Zum ersten Mal (insgesamt habe ich durchgehend bis 2001 sechsmal teilgenommen) war ich 1996 dabei. Viele Spieler aus Sachsen-Anhalt zieht es jedes Jahr dorthin, so sind aus Naumburg, Magdeburg oder Halle regelmäßig kleine "Delegationen" anzutreffen. Mit Partien gegen Internationale Meister scheint es dort ganz gut zu klappen, Normi konnte 2000 gegen Lobshanidze (Partie ist im Partieindex zu finden) gewinnen, während ich bei meinen Teilnahmen insgesamt 3 halbe Punkte gegen die IMs sammeln konnte (2x Casper, 1x Troyke). Zu erwähnen sind noch die berühmt-berüchtigten Bridgerunden, gegen die ein Stefan T(audte) meist nichts einzuwenden hat. Und wie das mit der Kartenliebhaberei so ist da kann es schon mal sein, daß man sich am Schachbrett schnell friedlich trennt, um sich dann bei einem kühlen Bier den geistig wirklich anspruchsvollen Dingen zu widmen.

Kassel (Dezember)

Zum von Helmut und Dagmar Schumacher (ein eingespieltes Team, das schon seit vielen Jahren Turniere in Nordhessen durchführt, z. B. Bad Zwesten, Baunatal, Kassel und dieses Jahr zum zweiten Mal nach 2001 die DEM Jugend in Willingen ausrichtet) organisierten U25-Open machten sich Normi und ich Ende Dezember 1996 auf. In diesem Jahr fand außerdem die DVM U20w in Kassel statt, an der auch der USV Halle mit einer Mannschaft teilnahm. Ich weiß bloß absolut nicht mehr, welchen Platz sie belegt haben, ich glaube, sie sind Zweiter geworden? Seit diesem Jahr ist bei mir die Zeit vom 26.12.-31.12. fest für Schach eingeplant. Nur 2001 machte ich da mal eine Ausnahme, dort war ich in Strausberg nur "Schachtourist". Von 1996 bis 2002 hießen die Orte Kassel, Magdeburg, Erfurt (1998 und 1999), Düsseldorf, Strausberg und Böblingen, an denen ich die Tage vom 26.12. bis zum .30.12.(und manchmal auch Silvester!) verbrachte. Wie man sieht, war bis jetzt stets für Abwechslung gesorgt, es wird natürlich von Mal zu Mal schwerer, ein Weihnachtsturnier zu finden, bei dem ich noch nicht war. g*

1995

Binz (November)

Auf der schönen Insel Rügen durfte ich das erste Mal auf national höchster Ebene aktiv werden. Die dort ausgetragene DLM m/w war sozusagen mein "first contact" mit den Größen des Sports. Die Mädels (ich glaube, Elli, Cl. Eckardt, Gundula und Pinky, bin mir aber nicht 100%ig sicher) holten in jedem Fall den Titel, während die Jungs in der Aufstellung H.Pröhl F.König, G.Andre, R.Schubert, M.Schuster und Witzbold St.Kersten einen hinteren Mittelfeldplatz erreichten. Ich war durch die Ergebnisse der LEM Jugend in die Mannschaft gekommen und sah mich mit dem Holger Pröhl in einer Mannschaft! Das war schon was Tolles! Damals hatte ich wohl noch keinen blassen Schimmer, daß das Jahre später (auch wenn Holly und ich für dann für die DLM zu alt sind) immer noch (oder besser wieder) so sein würde. Gleichzeitig fand die DEM der Männer statt. Das war natürlich auch ein Hingucker. C. Lutz, Kl. Bischoff, R. Slobodjan, M. Wahls die ganzen Großmeister mal live zu erleben, war schon eine feine Sache! Daneben fanden auch noch 2 Open statt. Das stärkere von beiden gewann Jesse Kraai, der mal beim USC Magdeburg angemeldet war. Er kam aber - so glaube ich - nicht zum Einsatz in der BL. Ein gewisser Reyk Schäfer sowie Andreas Bilawer waren ebenfalls beim Open dabei. Jedoch war man damals (noch) nicht so richtig miteinander bekannt, so daß weder Berichte noch Fotos auf der Wono-Seite veröffentlicht wurden.g* Denn erstens waren weder Reyk noch ich damals beim SV WoNo und zweitens waren die Wono-Seiten noch Zukunftsmusik.

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Zeittafel