Besuch bei einem Freund

Zu Gast bei der Schachlegende Robert Hübner

Dr. Robert Hübner Es ist schon immer erlebnisreich, dem nach Emanuel Lasker erfolgreichsten deutschen Schachspieler Großmeister Dr. Robert Hübner einen Besuch abzustatten. Präziser müsste es heißen: Einen Besuch abstatten zu dürfen. Sicherlich ein großes Privileg für mich, dessen ich mir auch bewusst bin. Im Vatikan würde man das Szenario unter Privataudienz einordnen.
Am Donnerstag, dem 30. November war es dann soweit. Über Düsseldorf ging es ins voradventliche Köln. Unterkunft mit einem interessanten Gesprächsabend gab es dankenswerter Weise bei der Nr. 1 unseres Vereins Holger Pröhl.

Gründe für das Treffen mit Robert Hübner gab es mehrere. Einmal wollte ich ihm noch einmal meinen Dank für sein inhaltsreiches Vorwort zum Buch "Reinhold Schmidts Schachgeschichten" aussprechen, ihn nach den Hintergründen über das von ihm 2015 geschriebene Buch "66 saftige Schnitzer begangen und besprochen von Robert Hübner" befragen, Grüße sollte ich ausrichten, im Auftrage der Emanuel-Lasker-Gesellschaft ihm die Teilnahme an der Seniorenweltmeisterschaft schmackhaft machen und vieles mehr.

Die interessantesten Gespräche handelten aber nicht unbedingt vom Schachspiel. Da standen Robert Hübners Bilder im Fokus, seine Urlaubsimpressionen, alte Bücher oder auch die Bleiverglasung des Kölner Domes mit ihrer zeitlosen Ausstrahlung zur Debatte. Kunst, die sich über Jahrhunderte bewähren musste, ist für ihn ein wichtiger Maßstab.

Zwei Mumienportraits und die Ikone "Apokalypse" Auf dem Tisch standen zwei seiner Mumienportraits, die ich schon kannte. Eins fehlte. Dafür stand da eine von Robert Hübner angefertigte Kopie einer Ikone im traditionsreichen Stil der Ostkirche. Sie trug den Titel "Apokalypse". Diese wurde mit kyrillischen Buchstaben bezeugt. Das Original wurde allerdings erst im 19. Jahrhundert in Italien geschaffen. Wie gesagt, aber im Stil der alten russisch oder bulgarischen Ikonenmalerei. Weitere Hintergründe zu dem Bild sind nicht bekannt.

Was mich bei dem Bild beschäftigte, war die Frage, die ich allerdings nicht stellte: Stand das Bild bewusst oder unbewusst an diesem Tag an dieser Stelle? Am Ende des Kirchenjahrs, am Christkönigsfest, wird thematisch der Evangelienzyklus mit der geheimen Offenbarung des Johannes oder auch Apokalypse genannt, beendet. Dieses Evangelium ist das einzige apokalyptische Buch, das von weiteren urchristlich-apokalyptischen Schriften in das Neue Testament übernommen wurde.

"Apokalypse", Oel auf Holz von Robert Hübner/Köln Die Apokalypse spielte aber schon vorher in der Antike, im Judentum oder später im Islam ein Rolle. Der Grundgedanke ist die Gerechtigkeit, die Gott am Ende der Welt kraft seiner Allmächtigkeit durchsetzt. Damit verbunden sind die Erlösung und der durch die Apokalyptischen Reiter durchgesetzte Höllensturz. Am 1. Advent beginnt dann das neue Kirchenjahr mit freundlicheren und vielleicht auch einfacheren Themen.
Zum Abschied, nach der obligatorischen Bibliotheksbesichtigung, bekam ich noch einige Bücher für das Löberitzer Schachmuseum auf den Weg. Dafür unser aller Dank!

Konrad

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