Quiz zur (Löberitzer) Schach(kultur)geschichte

9.11.03: Im Zuge der Lösungen nun auch ein paar weiterführende Informationen und Links.

Willkommen beim Quiz. Inspiriert ist es vor allem durch zwei gut gemachte und erfolgreiche Vorbilder:

Eines der untenstehenden Fotos ist deshalb auch bewusst gewählt. Es zeigt Schüler der Naumburger Uta-Schule bei ihrer Lebendschachvorführung anlässlich der Senioren-WM 2002 in der Domstadt. Auf dem Bild wird gerade das Narrenmatt dargestellt, aber auch das in Frage stehende Seekadettenmatt wurde in einer gelungenen Veranstaltung aufgeführt. Dank an Klaus Bärthel wie auch an Thomas Schwieger und Konrad Reiß für die Unterstützung.
Die Fragen sind eine Mischung aus allgemeinen und löberitzbezogenen Fragen zur Schach(kultur)geschichte. Wie bei den Quiz-Vorgängern soll der Spaß im Vordergrund stehen. Auch wir verlosen Schachbücher und Konrad Reiß' Geschichtsbüchlein "Schach in Löberitz", das anlässlich des 125-jährigen Vereinsjubiläums erschien und für viele Fragen Pate stand. 8 von 10 Fragen sollte man dafür richtig beantworten. Die Verlosung erfolgt jeweils getrennt für Vereins- und Nichtvereinsmitglieder. Das soll eine herzliche Einladung an alle Besucher der Seite sein, sich am Quiz zu versuchen. Außerdem gibt es noch einen speziellen Jugendpreis, der unter den Einsendern U16 verlost wird. Hier schauen wir auch nicht so auf die Anzahl der richtigen Lösungen. Einsendeschluss ist der 31.10.2003. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Übrigens: Es ist sicher kein Geheimnis, dass man viele Antworten auf die Löberitz-Fragen irgendwo auf diesen Seiten finden wird (das Quiz ist ein mehr oder weniger verkappter Test der Navigierbarkeit ;-)). Vielleicht habt ihr ja Lust, euch auf einen Streifzug einzulassen oder wisst ohnehin alles aus dem Kopf. In jedem Fall wird es hier eine ausführliche Lösungsbesprechung geben. Wir wünschen viel Spaß!

Frage 1)
Eine Frage zum Aufwärmen. Das Löberitzer Jugendschach konnte seit der Gründung der AG Schach in den 70er Jahren zahlreiche Erfolge verbuchen. Heute sind dafür u. a. die Geschwister Reiß verantwortlich. Wieviele Reiß-Schwestern gibt es?

6

Lösung: 5
Dieses Wasser erwies sich nur in einem Fall als zu kalt. Dabei wird doch nicht das Bild irritiert haben? Darauf ist neben drei Reiß-Schwestern auch Frauke Gaus zu sehen ...
Die meisten haben hier natürlich richtig gezählt: Viktoria (Vicky), Josephine (Josi), Konstanze (Tanzi), Rebekka (Bekka) und Stephanie (Stephie). Macht zusammen fünf.

Frage 2)
Vielen wird das Musical "Chess" mit den Texten von Tim Rice sowie der Musik der Ex-ABBA-Mitglieder Björn Ulvaeus und Benny Andersson ein Begriff sein. Die WM-Duelle des kalten Krieges mit Fischer-Spasski und Karpov gegen den Dissidenten Kortschnoi gaben einige Vorlagen. Nach dem Vorbild von "Jesus Christ Superstar" oder auch "Evita" erschien noch vor der Uraufführung des Musicals ein Begleitalbum. Welcher Titel des Albums - gesungen von Murray Head - ist seit 1984 bekannt und erfolgreich?

One night in Bangkok
One night in heaven
One step beyond
One Flew Over the Cuckoo's Nest

Lösung: One night in Bangkok
Diese Frage war für niemanden ein Problem. Das Musical dürfte in Schachkreisen auch recht bekannt sein. Interessante Hintergründe wie die eigens für das Finale erdachte Opferpartie behandeln Hartmut Metz und Markus Mack bei Rochade Kuppenheim.
Die Motivation für die falschen Antworten dürfte ersichtlich sein. Antwort B) war ein kleiner Ausflug zu M People. Antwort C) weckt Erinnerungen an den "heavy heavy monster sound" anno 1979, während D) gar das Genre wechselt und den Oscar-gekrönten Film mit Jack Nicholson meint.

Frage 3)
Die Geschichte des Löberitzer Schachs geht bis weit ins 19. Jahrhundert zurück und erreichte einen ersten Höhepunkt im Jahre 1871 mit der Vereinsgründung. Der Name des ersten Clubleiters ist noch heute in Löberitz allgegenwärtig. Für seine Verdienste um das Löberitzer Schach wurden ihm ein Denkmal und ein Gedenkturnier gewidmet. Von wem ist die Rede?

Carl Enke
Johann Melchior Kirsch
Franz Ohme
Gustav Krause

Lösung: Franz Ohme
Johann Melchior Kirsch Alle vier Personen sind mittelbar oder unmittelbar mit der Löberitzer Schachgeschichte verknüpft. Der Maurer und Zimmermeister Carl Enke (1834 - 1905) betrieb 1875 die Vereinsgründung des Zörbiger Schachclubs. Johann Melchior Kirsch brachte um 1865 das Schachspiel nach Löberitz. Friedrich Gustav Krause (1846 - 1929) war einer der Mitbegründer des Vereins und blieb ihm bis zu seinem Tod als Schriftführer treu.
Das Franz-Ohme-Gedenkturnier sollte indes allen Löberitzern ein Begriff sein. Über die Verdienste des Mannes, der auch erster Vorsitzender des Saale-Schachbunds war, berichtet Konrad Reiß in "Schach in Löberitz". Die im Artikel erwähnten Aktivitäten in der "Weintraube" weisen auf die Querverbindungen zu Frage 9) hin.

Frage 4)
Pioniertätigkeit auf bestimmten Gebieten hat häufig dazu geführt, dass Wörter der jeweiligen Landessprache in andere Sprachen entlehnt wurden. Fröbels "kindergarden" im Englischen ist ein bekanntes Beispiel für ein Lehnwort aus dem Deutschen. Aber auch im Schach war die deutsche Sprache durch die Popularität des Spiels im deutschsprachigen Raum Vorbild für zahlreiche Benennungen. Von den folgenden Wörtern wurde z. B. eines ins Englische entlehnt, gar drei wurden in die schachlich bedeutsame russische Sprache übernommen. Welchem der vier Wörter blieb eine Karriere als Fremdwort versagt?

Dauerschach
Endspiel
Zeitnot
Zugzwang

Lösung: Dauerschach
Diese Frage könnte zugegebenermaßen durch persönliche Vorbelastungen geprägt sein. Andererseits dürfte es nicht ungewöhnlich sein, zumindest hin und wieder englischsprachige Quellen zu lesen. Dort stößt man vielleicht auch häufiger auf das Wort "Zugzwang", welches sozusagen das internationalste der vier Wörter ist. Es wird auch im Spanischen und Russischen gebraucht sowie in weiteren Sprachen (z. B. Französisch), aber da würde ich mich aufs Glatteis begeben. An Einzelheiten zur Entstehungsgeschichte bin ich jederzeit interessiert ...
Zeitnot ist ein weiteres recht internationales Wort, das mir neben dem Russischen (sprich Zejtnot - endbetont), wo es der im Schach wohl ausschließlich gebräuchliche Terminus ist, auch im Spanischen begegnet ist. Dort allerdings parallel zum "muttersprachlichen" falta de tiempo. Ähnliches weist eine portugiesische Quelle für das Französische aus: Zeitnot vs. faute de temps.
Endspiel (engl.: endgame, franz. schlicht: finale) ist mir sonst nur aus dem Russischen bekannt.
Schließlich fiel mir als richtige Lösung nichts wirklich einfach Klingendes mehr ein, so dass hier einige wohl erfolgreich geraten haben. Eine interessante Variante vom Dauerschach (engl.: perpetual check, franz.: échec permanent) ist immerhin das Schwedische Evig Schack.
Bei der Zusammenstellung der Fragen fiel mir diese hier übrigens als die am schwersten im Netz zu recherchierende auf. Aber es gibt natürlich nichts, das man nicht finden kann. Eine Quelle, mit der die Lösung (minimale Kenntnisse des kyrillischen Alphabets vorausgesetzt) problemlos möglich ist, wäre z. B. diese Zusammenstellung von Schachvokabular in 13 Sprachen.

Frage 5)
Die Tradition des Löberitzer Schachvereins beginnt im Jahr 1871. Seit wann trägt die SG 1871 Löberitz ihren heutigen Namen?

1946  1978  1983  1990

Lösung: 1983
Während hier die Daten 1946 und 1990 rein historisch im Sinne von Nachkriegszeit/Wende irritieren sollten, war 1978 durchaus auch ein wichtiges Datum im Löberitzer Schach, denn hier wurde mit der Gründung der Schach-AG der Grundstein für die erfolgreiche Jugendarbeit der späteren Jahre gelegt.
Die Gründung der Schachgemeinschaft erfolgte allerdings erst 1983. In einem weiteren Kapitel von "Schach in Löberitz" wird erzählt, auf welche Schwierigkeiten die Gründung einer reinen (betriebsunabhängigen) Schachgemeinschaft zu DDR-Zeiten stieß.

Frage 6)
Der Löberitzer Schachverein war Gründungsmitglied des Deutschen Schachbundes im Jahre 1877. Fünf Jahre später wurde unter Löberitzer Mitwirkung ein regionaler Schachverband gegründet, der mit seinen Kongressen und den damit verbundenen Turnieren das Schachleben in der Region prägte. Löberitz stellte mit Franz Ohme den ersten Vorsitzenden. Wie hieß der Verband?

Mitteldeutscher Schachbund
Anhaltinischer Schachbund
Halle-Leipziger Schachbund
Saale-Schachbund

Lösung: Saale-Schachbund
Die falschen Antworten sind allesamt erfunden. Alles andere wäre dann Zufall.
Um Einzelheiten zu erfahren, schaut man am besten in den Löberitzer Geschichtsbüchern nach.

Frage 7)
Das Schachspiel war vielfach Gegenstand der Literatur, einige Werke sind sehr berühmt. Die folgenden vier Buchtitel legen alle eine Verbindung zum königlichen Spiel nahe. In einem dieser Werke geht es allerdings nicht unmittelbar um das Schachspiel, mehr im übertragenen Sinn. Dennoch spielt eine Karikatur mit Schachbrett und Figuren eine schicksalhafte Rolle. Welches Werk ist gemeint?

"Lushins Verteidigung" (Vladimir Nabokov)
"Schach von Wuthenow" (Theodor Fontane)
"Die Schachnovelle" (Stefan Zweig)
"Karl Haffners Liebe zum Unentschieden" (Thomas Glavinic)

Lösung: "Schach von Wuthenow" (Theodor Fontane)
Bei dieser Frage ging es um die Doppeldeutigkeit des Namens der Titelfigur "Schach von Wuthenow" in Fontanes gleichnamigem Roman. Die Frage war im Sinne einer klaren Abgrenzung zu den anderen Werken nicht ganz so leicht zu formulieren. Eine sehr gute Quelle im Sinne der Fragestellung und übertragenen Schachbezüge ist diese hier:
http://www.landshut.org/members/msagerer/f_schach.htm
Was die anderen Werke betrifft, so dürften A) und C) unter Schachspielern doch ganz gut bekannt sein. Hier für Interessierte noch ein paar Links:
Nabokov:
http://schach.magiers.de/nabokov.html
http://www.rochadekuppenheim.de/meko/nabokov.html
Zweig:
http://www.geocities.com/questomane/welcome.htm http://www.stefanzweig.org/
Antwort D) bezieht sich auf einen Roman in Anlehnung an Carl Schlechter (Lasker-Herausforder 1910). In "Schach" 5/99 bis 11/99 hat Dr. Robert Hübner das WM-Match Lasker - Schlechter untersucht und Glavinics Roman in die Betrachtung einbezogen. Das zog einen sehr kontroversen offenen Briefwechsel mit einem Leser nach sich ("Schach" 12/99 und 1/00). Hier zwei weitere Quellen:
http://www.luise-berlin.de/Lesezei/blz99_05/text37.htm
http://www.lasker-gesellschaft.de/berichte/johannes-fischer/glavinic.html

Frage 8)
Die Löberitzer Schachtage sind ein überregional bekannter und beliebter Treffpunkt mit Schachveranstaltungen für jeden Geschmack. Im Laufe der Jahre hat sich die deutsche Schachprominenz bei den Jubiläumsveranstaltungen ein Stelldichein gegeben und mehrfach über die Schachbegeisterung im Dorf erfreut gezeigt. Insbesondere zu den runden Vereinsgeburtstagen war einiges los. 1996 gewannen Uwe Bönsch und Thomas Luther vor Raj Tischbierek und Wolfgang Uhlmann ein kleines, aber feines Rundenturnier. 2001 hieß der Sieger Dr. Robert Hübner.
Drei der im Folgenden genannten Schachlegenden haben in Löberitz Simultanvorstellungen gegeben. Wer war bislang nicht dabei?

Helmut Pfleger
Vlastimil Hort
Lothar Schmid
Wolfgang Unzicker

Lösung: Vlastimil Hort
Wolfgang Unzicker Zugegeben, diese Frage war zumindest trickreich, wenn nicht in einer Hinsicht irreführend (weshalb wir auch großzügig bei der Auswertung waren ;-)). Sie ließ sich aber andererseits komplett mit Hilfe der Homepage lösen.
Helmut Pfleger (1991 - die berühmte Geschichte mit der Birke) und Wolfgang Unzicker (1994) waren jeweils bei den Schachtagen zu Gast, weshalb sie auch in der Prominenten-Übersicht nicht fehlen. Über beide Besuche gibt es zudem Ausführlicheres nachzulesen:
Besuch Helmut Pflegers
Besuch Wolfgang Unzickers
Lothar Schmid gab seine Simultanvorstellung 1990 nicht anlässlich der Schachtage, weshalb er in der Prominentenübersicht fehlt (in dieser Hinsicht war der Einleitungstext vielleicht verwirrend). Um seine Spuren zu finden, musste man in der Geschichtsübersicht nachschauen. Einige ergänzende Anmerkungen von Konrad.
Vlasti wäre natürlich ein interessanter Kandidat für Künftiges ...

Frage 9)
Das Seekadettenmatt ist sicher den meisten Schachspielern bekannt. Hier aus den unzähligen Variationen die (inkorrekte) Urform (Legal - St. Brie, Paris 1750): 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 d6 4. Sc3 Lg4 5. Sxe5?! Lxd1?? 6. Lxf7+ Ke7 7. Sd5xx Wurde es im Ausland aufgrund der Stammpartie vielfach als "Legals Matt" bezeichnet, hat sich die deutsche Bezeichnung "Seekadettenmatt" eingebürgert, weil die Partie in der Operette "Der Seekadett" als Lebendschachpartie inszeniert wird. 1882 wurde die Operette in der Löberitzer Gaststätte "Weintraube" - Zentrum des damaligen schachlichen und kulturellen Dorflebens - aufgeführt. Wer hat sie komponiert?

Franz Lehar
Jacques Offenbach
Oscar Straus
Richard Genee

Lösung: Richard Genee
Hier möchte ich auf einen Beitrag "Kuriositätenkabinett" (bei Weiße Dame Berlin) aufmerksam machen, der nicht nur Vorlieben berühmter Komponisten für das Schach beleuchtet, sondern auch darauf eingeht, warum vielfach (fehlerhaft) ein gewisser "Segal" als Komponist der Operette genannt wird.
Zum schachlichen Aspekt "Seekadettenmatt" ein Verweis auf AE Magdeburg.
Schließlich sind die löberitzhistorischen Bezüge zur Aufführung in der "Weintraube" bereits im Beitrag über Franz Ohme dargestellt - einschließlich Kopien historischer Zeitungen.

Frage 10)
"Wohl ein jeder ordentlich geführte Verein spielt jährlich eine Vereinsmeisterschaft aus.", heißt es in "Schach in Löberitz". So hat auch die SG 1871 Löberitz kontinuierlich solche Meisterschaften durchgeführt. Langjährig
(z. T. ohne Pause) dabei waren die folgenden vier Spieler. Bei der Erstauflage nahm auch jeder der Genannten teil. Wer hat sie gewonnen?

Uwe Bombien
Thomas Richter alias Chevalier
Heiko Thomaschewski
Konrad Reiß

Lösung: Uwe Bombien
Das konnte man auf unserer SGM-Übersicht nachschlagen. Bekka hierzu beim "Live-Quiz": "Papa war's nicht – das wäre zu leicht."

Wir hoffen, die Fragen waren nicht zu schwer und nicht zu leicht und das Knobeln hat ein bisschen Freude bereitet.

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