8 x 8

8 Fragen und 8 Antworten

Das Löberitzer Schachquiz für Wissende und Tippende zum Jahreswechsel

von unserem Problemexperten Fritz Hoffmann aus Weißenfels

Zunächst Dank an unseren Autor und an alle Löser – es hat Spaß gemacht!
Insgesamt haben sich 17 LöserInnen beteiligt, darunter auch einige sehr junge (mit Ole Magnus Bierbaum an der Spitze!). Jeder hatte mindestens fünf richtige Lösungen.
Auszugsweise einige Stimmen:

Das Quiz hat es in sich - besonders die erste Frage hat mich viel Zeit gekostet. Ich hoffe nur, dass ich die richtige Lösung habe ...
Hans-Jürgen Büchner

1,3, 7 und 8 geraten. 3 und 7 korrigiert nach Recherche. 1 nicht gefunden. Schönes Rätsel.
Tobias Richter

... sehr nette Fragen, die man fast alle mit etwas Nachdenken lösen kann.
Robert Offinger

Frage 1 und 3 sind echt verzwickt!
Martin Schuster

Interessante und schwierige Fragen – übersichtlich gemacht :-)
Oliver Duchrow

Schön :-)
Katrin Böhlke

Da niemand 8 Richtige hatte, haben wir vier 7-Punkter als Gewinner ermittelt:
Katrin Böhlke, Rebekka Schuster, Hans-Jürgen Büchner und Tobias Richter.
Nun zu den Lösungen:

Frage 1)
Was war die älteste Neuerung in der tausendjährigen Schach-Entwicklung (laut Alfonso-Kodex von 1283)?

Einführung des Bauern-Doppelschritts
Umwandlung des Bauern zur Dame
Rochade-Reglung in der heutigen Form

Antwort A - Einführung des Bauern-Doppelschritts
Fritz Hoffmann: "Die von dem spanischen König Alfonso X. (das war "Alfonso der Weise"!) veranlasste Spiele-Sammlung in Kodex-Form kennzeichnet schachhistorisch den Übergang vom arabischen zum europäischen Reglement. Die Dame kam erst mit der Regelreform gegen Ende des 15. Jahrhunderts "ins Spiel", die heutigen Rochade-Regeln sind noch jünger."

Die Frage erwies sich als schwierig und trickreich, denn die Umwandlung selbst gab es schon länger. Nur wurde früher eben in die schwächste Figur ("Mantrin"/"Firz"/"Farzin"/Berater) umgewandelt. Auch die Umwandlungsregeln erfuhren Reformen: Zeitweise durfte man nur in Figuren umwandeln, die bereits geschlagen waren. Aber das hatte Fritz offenbar nicht im Sinn.
Robert O. wusste alles (nahm aber den Trick nicht ernst ;)): "Frage 1 ist ungenau formuliert, weil es damals strenggenommen noch keine Dame gab, sondern die Figur (Berater), in die umgewandelt wurde, entwickelte sich unter der italienischen Schule zu unserer heutigen Dame.".

Die Festlegung der Rochade in der heutigen Form geht auf Greco zurück (17. Jahrhundert). Weitere historische Details.

Die Frage war schwer zu "googeln" und wurde nur zum kleineren Teil richtig beantwortet.

Frage 2)
Welche Figur erreicht nach vorangegangenem Dame-Opfer ersticktes Matt im Alleingang?

Turm
Springer
Läufer

Antwort B - ersticktes Matt durch den Springer
F. H.: "Von ersticktem Matt ist die Rede, wenn der betroffene König allseits von Steinen eigner Farbe geblockt ist. Lucena führte das Block-Manöver 1497 erstmals lehrbuchmäßig vor."

Hier gönnte uns Fritz nach dem schwierigen Auftakt eine Atempause.

Frage 3)
Welcher Dichter hielt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesichts des "Türken" schachspielende Maschinen für hundertprozentig fehlerfrei?

Edgar Allan Poe
Alexander Puschkin
Heinrich Heine

Antwort A - E. A. Poe
F. H.: "Der Amerikaner erlebte das Staunen des Schachpublikums in den USA bei der Tournee, die "der Türke" nach seinen Auftritten in Europa absolvierte. Da der magische Automat verschiedent-lich eine Partie verloren hatte, folgerte Poe, es müsse ein von Menschengeist gesteuerter Apparat sein, eine echte Schachmaschine könne keine Fehler machen."

Das wusste die Mehrheit, aber Puschkin und Heine bekamen auch ihren Anteil.

Frage 4)
Mit welcher Aufgabe zeigte 1858 der 17-jährige Sam LOYD in New York einen Bauern-Durchmarsch von der 2. zur 8. Reihe (in dem sogenannten E x c e l s i o r- Problem)?

Dreizüger
Vierzüger
Fünfzüger

Antwort C - Bauerndurchmarsch im Fünfzüger
F. H.: "Natürlich braucht ein Bauer zum Durchmarsch bis zur Umwandlung mindestens fünf Züge. In Kombination mit anderen Themen ist die E x c e l s i o r- Komposition nur mit mehr Zügen möglich, nicht mit weniger."

Der Problemexperte hatte die Leser offenbar in früheren Beiträgen gut geschult – keine Schwierigkeiten bei dieser Frage.

Frage 5)
Wovon ist der Ausdruck ELO-Wertung (Punkte-System für die offizielle FIDE-Weltrangliste) abgeleitet?

Personen-Name
Ortsname
Abkürzung

Antwort A - Prof. A. ELO (USA)
F. H.: "Der amerikanische Mathematiker dürfte ungarischer Abstammung sein; darauf deutet sein Vorname Arpad."

Die übergroße Lösermehrheit sah das ähnlich.

Frage 6)
Welche Remis-Regelung wurde nach Computer-Recherchen in kritischen Endspielen zwischenzeitlich modifiziert?

Dauerschach
3malige Stellungswiederholung
50-Züge-Regel

Antwort C - Modifizierung der 50-Züge-Regel
F. H.: "Mit Computer-Hilfe wurde ermittelt, dass bestimmte (seltene) Endspiel-Stellungen selbst bei genauester Behandlung mehr als 50 Züge (ohne Schlagfall oder Bauernzug) bis zum Matt erfordern."

Auch hier nahezu nur richtige Lösungen. Mehr über den damaligen Artikel 10.9 im Beitrag Endspiel König/Turm/Läufer gegen König/Turm.

Frage 7)
Welcher Fachausdruck des Schachjargons fehlt in der Duden-Ausgabe von 2006 (nach Vollendung der Rechtschreibreform)?

Gambit
en passant
Bauernopfer

Antwort A - Gambit (im aktuellen Duden "vergessen")
F. H.: "Der Ausdruck "en passant" ist ohne Schach-Erwähnung gebucht, das "Bauernopfer" wird mit Schach-Bedeutung und im übertragenen Sündenbock-Sinne erklärt."

Zugegebenermaßen fast eine Ratefrage (warum auch nicht?), wenn man nicht diese spezielle Duden-Ausgabe sein eigen nennt. In anderen (auch früheren) Ausgaben ist "Gambit" enthalten. Eine Frage, bei der viele strauchelten.

Frage 8)
Welche Stadt war zweimal Austragungsort einer Schach-Olympiade?

Dubai
Nizza
Buenos Aires

Antwort C - Buenos Aires 1939 und 1978
F. H.: "Dubai war 1986 Veranstalter. Damals erschien im Bulletin der 6. Runde ein Problemgruß aus "Eastem Germany" von F. Hoffmann.
Nizza war 1974 Veranstalter. Damals durften erstmals die DDR-Teams nicht zu einer Olympiade ausreisen, weil das SED-Regime ihr "Ausreißen" befürchtete.
1939 wurde in Buenos Aires trotz Kriegsausbruch in Europa weitergespielt, 1978 gelang den Ungarn das damals einmalige Kunststück, das Team der UdSSR auf Platz 2 zu verweisen."

Aus dem Kopf vielleicht nicht so einfach, aber nachschlagefreundlich ;) Hier gab es keine großen Probleme.

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