Frauen mit Sieg in Paderborn auf Medaillenkurs

Der Tag der Reisepartner

Hl. Teresia von Ávila in Paderborn Es war der Spieltag der Reisepartner. Zwischen Löberitz und Paderborn liegen bei dieser vom Veranstalter beabsichtigten Konstellation Welten. Luftlinie sind das 233 km, mit dem Auto beträgt die Entfernung 323 km und ein Radfahrer könnte bei guter Ortskenntnis und optimaler Vorbereitung die 311 km in 16 Stunden schaffen. Die Verbindungen mit dem Zug sind vielfältig, aber nicht unter 5 Stunden zu drücken.
Hierzu kamen für die Löberitzer Frauen noch viele andere Unwägbarkeiten.
Für Paderborn stellt die Eingliederung in die Oststaffel natürlich noch eine viel größere, weil ständige Belastung dar. Mit Sicherheit können sie am Jahresende mit dem zu erwartenden Fahrtkostenausgleichen eine wunderschöne Weihnachtfeier ausrichten. Die Paderborner sehen das allerdings aus einem anderen Blickwinkel, denn so lernen sie einmal den Osten unserer gemeinsamen Republik kennen. Für die jungen Paderbornerinnen bringt das mit Sicherheit auch ein gutes Stück Lebenserfahrung mit sich.

Mannschaftsführerin vollbrachte ein logistisches Meisterstück

Christine Trotz des beschriebenen Entfernungsszenarios mussten alle sechs Spielerinnen aus den unterschiedlichsten Orten kommend, pünktlich und mit Flug- und Bahnfahrkarten versorgt, sich in dem 1200jährigen Paderborn treffen.
Um die Opferbereitschaft aller beteiligten Leute und die Vorbereitung der Mannschaftsführerin einmal herauszustellen, möchte ich das Reisegeschehen einmal etwas näher beleuchten:
Ich, einer der Fans, bestieg schon am frühen Samstagmorgen in Stumsdorf, Zörbigs einzigem erhaltenen Bahnhof, den Zug Richtung unserer Landeshauptstadt Magdeburg. Von dort ging es weiter mit einem Intercity nach Hannover. Dort wurde ich überraschender Weise von unserem Vereinsmitglied Jörg Fischer begrüßt. Er kreuzte dort meinen Reiseweg um in seinen Heimatort Künsebeck, einem Ortsteil der westfälischen Stadt Halle, seine Familie zu besuchen.
Dom zu Paderborn Er teilte mir auch mit, dass er uns nicht in Paderborn besuchen könne.
Von Hannover fuhr ich mit einer S-Bahn zum angepeilten Zielort. Das hört sich recht kurz an, doch es wurden fahrplanmäßig fast zwei Stunden. Im Zug reisten auch viele der sogenannten Fußballfans des 1. FC Magdeburg mit. Sie wollten zum anstehenden 3. Ligaspiel nach Paderborn. Ich gehe aber davon aus, dass einige vom nachmittäglichen Spiel nichts mehr mitbekommen haben. Zu feucht-fröhlich waren die Vorfeier im Zug mit Böllerschüssen und das Absingen nicht jugendfreier Lieder. Der Zug sah dementsprechend aus.
In Paderborn wartete auf dem Hauptbahnhof schon ein riesiges Polizeiaufgebot um sie begleitet mit Sonderbussen ins Stadion zu transportieren. Ich marschierte jedenfalls in Richtung Hotel um das Quartier in Beschlag zu nehmen.
Zur gleichen Zeit machte sich die Mannschaftsführerin Rebekka Schuster in Essen, wo sie auf einer Messe den Stand ihrer Firma betreute, mit dem Zug auf, um nach Hannover zu fahren und auf dem dortigen Flughafen Dana Reizniece-Ozola in Empfang zu nehmen. Da das mit der sich anbietenden S-Bahnverbindung gegebenenfalls bei der Rückreise zeitlich etwas eng hätte werden können, nahmen sie dort einen Mietwagen um mit Dana von dort nach Paderborn zu fahren.

Trixi Norman Schütze und Trixi Berndorf fuhren ab Leipzig mit dem Zug nach Berlin um dort zusammen mit der in Berlin wohnenden Christine Giebel die aus Riga einfliegende Elina Otikova zu empfangen. Das Quartett fuhr dann luxuriös in der 1. Klasse mit bleibenden Eindrücken über Bielefeld nach Paderborn.
Zur abendlich Stunde, ich hatte meinen Stadtspaziergang beendet, holte ich die Truppe vom Nordbahnhof ab. Im Hotel angekommen, überraschten uns Rebekka und Dana mit ihrer Anwesenheit. Ich wusste ja noch nichts von dem Mietwagen.
Bevor der Bericht weitergeht, soll das Reisegeschehen, welches erst am Sonntag seinen Abschluss fand, vervollständigt werden, denn da trafen Nadine Naumann mit ihrem Mann Alexander von einem Konzert aus Bochum kommend im Paderborner Spiellokal ein. Alle waren da. Alle waren nüchtern. Alle waren spielfähig und hochmotiviert.

Paderborn - Eine 1200 jährige Bischofsstadt

Eigens geöffnete Krypta So, nun wieder zurück zum eigentlichen Leittext. Nach meiner Ankunft in Paderborn ging es schnellen Schrittes Richtung Hotel. Auf dem Weg lagen etliche Kirchen, denen ich allen einen Besuch abstattete. In der ersten, es war die Herz-Jesu-Kirche, entdeckte ich auch eine lebensgroße Figur der Hl. Teresia von Ávila, der großen Kirchlehrerin und Schutzpatronin der Schachspieler. Im Nachherein gesehen, war das bestimmt ein gutes Omen.
Inmitten der Stadt entspringt die Pader, die dem Ort seinem Namen gab, aus mehreren Quellen. Nach nur fünf Kilometern mündet der Bach dann schon in die Lippe.

Der Liborius-Schrein Für mich war bei meinem Stadtrundgang die Besichtigung des Hohen Doms St. Maria, St. Liborius und St. Kilian der Höhepunkt. Das riesige gotische Schiff und der wuchtige, fast 100 Meter hohe romanische Turm waren beeindruckend. In der Krypta befinden sich die Gebeine des Hl. Liborius, des Schutzpatrons der Stadt.
Zu meinem Glück schloss man extra wegen mir in der Krypta, die Begräbnisstätte der letzten Paderborner Erzbischöfe auf. Der letzte von ihnen war Johannes Joachim Kardinal Degenhardt. Dessen beide Vorgänger waren Lorenz Kardinal Jaeger und Caspar Klein. Sie waren als Erzbischöfe und Metropoliten auch für das Suffraganbistum Magdeburg zuständig. Beide besuchten mehrmals Zörbig und fanden somit in meinem Buch "Hl. Antonius schütze Hirt und Herde" Eingang. Der jetzt amtierende Erzbischof Hans-Josef Becker schrieb für dieses Buch ein Geleitwort. Also lagen für mich mehrere Gründe zu einem intensiven Besuch vor.

Dana spricht als Finanzministerin natürlich auch griechisch Nach einem großen Kaffee und einem noch größeren Stück Torte in Stadtmitte besuchte ich noch im Dom die Vesper und nahm am Abendgottesdienst teil.
Im Anschluss stand schon das Treffen aller Löberitzer an. Kurz nach 19.00 Uhr waren alle im Hotel. Ziel war ein gemeinsames Abendessen. Beim Griechen gab es viel zu erzählen. Da Dana auch ein bisschen Griechisch kann, hatte sie schnell den Kellner und die Kellnerin als Nichtgriechen "überführt". Es handelte sich um geflüchtete Syrer, die beide gut Deutsch sprechen konnten. Hier nutzten wir natürlich die Gelegenheit um uns über die brisante Situation zu erkundigen. Sehr nette Menschen. Wenn nur alle Flüchtlinge so wären, würde es auch keine Diskussionen darüber geben. Nachdem die beiden Feierabend machten, unterhielten wir uns noch bei einem weiteren Gläschen Ouso mit ihrem Chef. Das war dann wirklich ein Grieche. Auch hier gab es viel über Land und Leute zu erfahren.

Mit dem "Glück des Tüchtigen" zum Mannschaftssieg

Logistischte Meisterleistung: Kapitän Bekka Das Spiel gegen SK Blauer Springer Paderborn 1926 e.V. sollte härter werden als gedacht. An den ersten drei Brettern lagen wir mit den Wertzahlen vorn und bei den drei hinteren die jungen Paderbornerinnen. Es war somit alles möglich.
Zuerst gewann nach mustermäßigem Partieaufbau am 5. Brett Christine. Hier hatten die drei Löberitzer Zuschauer niemals Bedenken. Damit gelang es ihr, die eigene Siegesblockade zu brechen und sie ist damit auch richtig im Team angekommen.

Im Anschluss gewann Rebekka am 6. Brett eine total verrückte Partie. Nach verschlafener Eröffnung startete sie fast aus dem Nichts heraus einen Mattangriff ohne ihn nach drei Zügen erfolgreich abzuschließen. Stattdessen drohte sie mit einem scheinbaren Desperadozug Matt oder Damengewinn. Die Gegnerin akzeptierte die Drohung und gab auf. Bei einer richtigen Erwiderung hätte die Paderbornerin beide Probleme mit einem Turmgewinn zu ihren eigenen Gunsten aus der Welt schaffen können. Die Partie war nicht für schwachnervige Zuschauer gedacht. Der vor Ort weilende Apotheker wurde alle mitgeführten Herztropfen los. Doch es sollte später am Brett 3 noch verrückter zugehen.

Turbulentes Remis für Nadine Dana brachte am Spitzenbrett einen Mehrbauen aus der Eröffnung gewohnt sicher und ohne Risiko über die Partie. Sie mauerte im Endspiel mit Turm und Läufer den gegnerischen König ein um dann mit dem besagten Mehrbauern im wahrsten Sinne die Stellung zu knacken.
Das war auch schon die halbe Miete und mit dem sicheren Unentschieden im Rücken dürfte das Abstiegsgespenst endgültig vertrieben worden sein.
Nun verlor Beatrix an Brett 4 nach harter Gegenwehr. Lange spielte sie mit einem Offizier weniger. Ich kann gar nicht sagen, wie das passiert war.

Sehr schön spielt auch Nadine. Den Kopf voller Prüfungskram ließ sie sich nicht abhalten eine interessante Partie, allerding mit hohem Risiko, zu spielen. Zu sehr hatte sie ihren eigenen von der Dame unterstützten Freibauern im Fokus. Da marschierte sie mit ihren König in ein unabwendbares Mattnetz hinein. Nicht gesehen!
Doch wie das manchmal so ist, hatte am Ende der, oder hier die Tüchtige das notwendige Glück. Ihre Gegnerin sah es auch nicht. Der König marschierte wieder aus seiner misslichen Lage heraus und man einigte sich wegen einer Dauerschachsituation auf ein Remis. Die Punkteteilung brachte gleichzeitig den Gesamtsieg und den 3. Tabellenplatz.

Elina lässt diesmal nichts anbrennen Elina stand an Brett 2 eigentlich von Anfang an gut. Dieses Mal machte sie, anders als gegen Allianz Leipzig, einen vollen Punkt daraus. Sie war zäh genug um über fünf Stunden die Konzentration zu behalten.

Löberitz hatte 4,5:1,5 gewonnen. Alles in allen sicherlich etwas glücklich und zu hoch. So ist das aber im Leben. Morgen fragt keiner mehr nach dem "Wie", sondern da zählt nur noch das Ergebnis. Wir hoffen, dass die Blauen-Springer-Fohlen in den Abschlussspielen im Zörbiger Schloss die Klasse erhalten. Verdient hätten sie es, schon wegen ihrer Superleistung im Spiel gegen die Berliner Mannschaft Rotation Pankow.
Dank den Paderbornern für ihre Gastfreundschaft und für den freundlichen Gedankenaustausch am Rande des Spiels.

Nach Spielende ging es wieder heimwärts. Nicht ganz so verrückt wie bei der Anreise, denn Elina brauchte nur bis Leipzig und ich konnte bei Naumanns mitfahren. Da machte ich den "Malich" und unterhielt mich kurzweilig bis vor meiner Haustür mit Alex über alles, was es gibt oder nicht gibt. Übrigens Alex ist nicht nur ein meisterlicher, sondern ein großmeisterlicher Autofahrer!
Team Löberitz in Paderborn Allen Dank für das Miteinander und vor allem an Rebekka für ihre Planung. Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft nach den letzten Spielen und Begegnungen zusammengewachsen ist und sich vielleicht noch höhere Ziele als den Klassenerhalt vornehmen sollte. So sieht es jedenfalls Großmeister Alexander Naumann. Nächste Bewährungen stehen mit den Schlussrunden im Zörbiger Schloss bevor. Vielleicht stellt sich die Frauenmannschaft auch bei den "Löberitzer Schachtagen" im Mannschaftsblitzturnier einer männlichen Gegnerschaft. Für eine Teamfindung wäre das nicht schlecht.

Konrad

  BS Paderborn SG 1871 Löberitz 1,5:4,5
1 Kuckling, Hannah WGM Reizniece-Ozola, Dana 0-1
2 Bork, Sophie Otikova, Elina 0-1
3 Schrader, Elanor Naumann, Nadine ½
4 Gatzke, Carolin Weise, Beatrix 1-0
5 Browning, Rebecca Giebel, Christine 0-1
6 Walow, Xenia Schuster, Rebekka 0-1

I. Frauen-Mannschaft | « Bericht (3/4) | Zum Seitenanfang

 
Links