Zu Besuch bei Großmeister Robert Hübner

Aller guten Dinge sind drei

Hübners Trainingsbrett Es war wieder an der Zeit, um den nach dem ehemaligen Weltmeister Emanuel Lasker erfolg-reichsten deutschen Schachspieler Dr. Robert Hübner in Köln einen Besuch abzustatten. Es war mein dritter Besuch bei ihm. Grund war eine Digitalisierung und ein Neu- oder Nach-druck seiner (vollständigen) "Gesammelten Partien", Band 1, 1958-1972 in einer manufaktu-ren Auflage durch das Schachmuseum Löberitz.
Der Band 2 mit Hübners Partien der Jahre 1976-1993 befindet sich mit der Registrations-nummer 2267 schon im Bestand der Schachbibliothek "Theresia v. Ávila". Dieses Buch schenkte uns der Großmeister im Jahre 2011 anlässlich der damaligen Schachtage.

Manuskript Wissen Viel Zeit hatte ich nicht, doch für ein längeres Gespräch reichte es allemal. Während ich bei meinen vorherigen Besuchen Hübners Bibliothek und seine Gemälde bewundern konnte, ge-währte er mir dieses Mal einen Einblick in ein Teil seines umfangreichen Schriftarchivs.

Da waren natürlich auch einige Dinge für das Schachmuseum Löberitz dabei. So übergab er mir ein sechsseitiges Manuskript der Geschichte "Wissen". Der Titel wird mit dem Satz "Tatsächlich wissen wir nichts; es liegt die Wahrheit unzugänglich tief" (Demokrit, Fragment 17) unterlegt. Natürlich auch auf Griechisch. Die Geschichte erfuhr ihre Erstveröffentlichung im ChessBase Magazin 61 (Dezember 1997) S. 27-30. Eine etwas modifizierte Version fand 2015 Aufnahme in das Buch "Elemente einer Selbstbiographie", S. 117 (Verlegt im Verlag Arno Nickel / Berlin). Übrigens ein sehr zu emp-fehlendes Werk.

Als weitere Handschriften gab es mehrere Partieanalysen für den in Belgrad / Jugoslawien erscheinenden Schachinformator. Interessant ist Hübners glasklare, wie in Stein gemeißelte hieroglyphenartige Schrift.
Hervorzuheben ist unter den Analysen die zweiseitige Kommentierung der Partie Hübner - Kasparow (1:0), Dortmund 1992. Sie wurde dann im Schachinformator Nr. 54 (II-IV 1992, S. 293/294) veröffentlicht. Das Buch liegt übrigens im Schachmuseum unter der Nr. 1469 vor und wurde der Einrichtung von FM Jens Lütke aus Köln geschenkt.

Hübner - Kasparov (1) Hübner - Kasparov (2)

Und noch etwas gab es für unser Museum: Eine originale, von Hübners Sekundanten GM HaJo Hecht geführte Turniertabelle. Es handelt sich hier um das Interzonenturnier vom Palma de Mallorca. Dieses fand vom 9. November 1970 bis zum 12. Dezember 1970 statt. Es siegte Robert Fischer (USA) mit 3,5 Punkten (!) Vorsprung vor Bent Larsen (Dänemark), Efim Gel-ler (UdSSR), Robert Hübner (BRD), Marc Taimanov (UdSSR) und Wolfgang Uhlmann (DDR). Diese sechs qualifizierten sich durch ihre Platzierung zusammen mit Exweltmeister Tigran Petrosian und Victor Kortschnoi (beide UdSSR) für das Kandidatenturnier. Für Hüb-ner war es der Auftakt einer Weltklassekariere und für Uhlmann sein schachsportlicher Höhe-punkt. Hübner scheiterte dann an Petrosian und Uhlmann mit seinem Sekundanten GM Burk-hard Malich gegen Larsen. Beide Endergebnisse waren äußerst knapp.

Tabelle Interzonenturnier 1970 Schlussendlich überrannte Fischer im Kandidatenturnier Taimanov und Larsen jeweils mit 6:0 sowie im Finale Petrosian 6,5:2,5. Nie wieder war ein Spieler im Spitzenschach so dominie-rend. 1972 schlug er in Reykjavík in einem denkwürdigen Match Boris Spasski mit 12,5:8,5.

Zu guter Letzt übergab mir Robert Hübner noch sein häusliches Trainingsbrett mit Widmung und die dazugehörigen Figuren aus früheren Zeiten. Nun braucht sich aber keiner der Sorge hingeben, dass ich Robert ohne Spielmöglichkeiten sitzen gelassen habe. Schon vor Jahren hat er sich ein neueres Brett angeschafft. Figuren übrigens auch.

Auch an dieser Stelle Dank dem Großmeister für die interessanten neuen Museumsexponate. Sie werden in einer, inzwischen schon aufgebauten, neuen Vitrine zu Robert Hübner im Schachmuseum Löberitz dauerhaft gezeigt.

Konrad

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