5. Runde: SG Leipzig - SG 1871 Löberitz 6:2
Zilli, Billi und Willi
Die Prognose "Vier Oberliga-Absteiger" war mittlerweile mit dicken Lettern an die Wand gemalt. Entsprechend wichtig nahmen wir die Einzelrunde beim Reisepartner SG Leipzig. Frido hatte zum Teambuilding und Aushecken eines Masterplans bereits für den Vorabend ins Killiwilly eingeladen. Was Kindheitserinnerungen an die titelgebenden drei Schweinchen in mir wach rief. Ich hatte Angst, dass das wieder so eine Generationensache ist, aber zumindest habe ich gelernt, dass das Märchen, dem die Kinderbuchverlag-Ausgabe von Elizabeth Shaw aus dem Jahr 1972 zugrunde liegt, schon viel älter ist. Also habe ich noch Hoffnung. Als Knirps bekam ich die entschärfte Version zu lesen, wo Zilli und Billi aus dem Stroh-/Holzhaus zu Willi ins Steinhaus flüchten. In der FSK-12-Variante werden sie vom bösen Wolf gefressen. Aber auch für Isegrim geht es dort nicht gut aus.
Der Weg zum Pub war an diesem Samstag nicht immer leicht. Sieben verschiedene Demonstrationsgruppen mit teils widerstreitenden Meinungen hatten sich für Leipzig angekündigt. Der MDR meldete alsbald im Live-Ticker: "Gemüsehändler in Connewitz schließt früher". RB hatte Heimspiel gegen Bayern. Damit nicht genug, platzte noch die Nachricht in die Gruppe: Nichts geht mehr - Leichenfund im Hauptbahnhof.
Sechs Hartgesottene fanden dennoch auf verschiedenen Wegen in die pulsierende Karl-Liebknecht-Straße. Lediglich der kurzfristige Ausfall
eines verunfallten Dunkeljoggers war zu beklagen. Dank für den gelungenen Abend gebührt wie immer auch unserem nimmermüden und großzügigen Chevalier.
Im Bezug auf den Masterplan gewannen wir zumindest die Erkenntnis, was nicht hilft: 1:0 in Führung gehen und dann noch fünf Eier kassieren. Blieb als Blaupause nur noch unser Sieg aus der Vorsaison - ebenfalls in Leipzig.
Um aber diesem denkwürdigen Tag vollends gerecht zu werden: Selbst im verschlafenen Wijk aan Zee wurde demonstriert. 2025 kg Kohle und festgekettete Aktivisten sorgten für ca. 90 min Verspätung bei der Auftaktrunde.
Anderntags im Spiellokal angekommen, fanden wir Sachsenliga & Co bereits im Einsatz vor. Volles Haus im Denksportzentrum. Die SG weiterhin ohne Oleg Romanishin, aber ansonsten erstmals von 2 bis 9. Wir mit neu gewürfelter Aufstellung. Und los ging's auch an unseren Tischen.
Christoph - für die Remisen zuständig - gab als Weißer früh den b-Bauern nebst zugehöriger Schaukel, der man nicht gut ausweichen kann. Unser Top-Scorer Alex war so beizeiten neutralisiert - wenn auch mit Schwarz.
Die nächsten Entscheidungen fielen erst ca. drei Stunden später. Ich versuche mich weiter ungefähr in der chronologischen Reihenfolge. Holly hatte gegen Leo das Problem, dass die Rochaden nach beiden Seiten technisch möglich, aber problembehaftet waren. Der König in der Mitte war es allerdings auch, so dass Material und Stellung mit Zinsen verloren zu gehen drohten, wogegen es kein Mittel mehr gab. Die Leipziger Führung.
Zwischen Normi und Hoffi wurde in der Analyse geflaxt, dass ersterer ein Alter erreicht habe, wo man nicht mehr Najdorf spielt, sondern 1.e4 e5. Was allerdings in dieser Saison bislang gut lief. Stellungstechnisch auch gegen Laertes' Mittelgambit. Die Lage blieb aber recht unübersichtlich und Normis klarer Vorteil ging verloren. Schließlich blieb nur noch die Wahl zwischen Zugwiederholung oder schlechterer Stellung (wobei man letzteres natürlich in dem Moment nicht immer realisiert).
Unser Mann entschied sich gegen die Zugwiederholung, wurde aber nicht belohnt. -2
Für den Lichtblick des Tages sorgte Böhmi nach Vorbereitung gegen sich selbst (Rainers Caro-Kann mit ...Sf6). Falls Böhmi kurzzeitig Zweifel am Ausmaß seines Vorteils hegte, weil einiges getauscht wurde und ungleichfarbige Läufer (nebst Damen) übrig blieben, wurden die diese schnell zerstreut. Rainer ließ einen unabwendbaren Mattangriff zu.
Mit offenen Königen wurde ebenso zwischen Frido und Marvin hantiert. Auch hier gab es die (nicht so leicht zu durchschauende) Wahl zwischen Dauerschach und gegnerischem Mattangriff. Auch hier entschieden wir uns nicht fürs Dauerschach. Ob das alles den Tatsachen entspricht, werden wir bald auf Fritzis Kanal im Videobeweis nachprüfen können.
Robert mit nicht untypischem Druckspiel gegen Alex. Beide befanden in der Analyse die weißen Figuren für aktiver und erspähten auch eine vielversprechende Variante für den Anziehenden. Nachdem die Züge in der Partie aber in anderer Reihenfolge aufs Brett kamen (ganz wie bei Fynn am Vortag), blieb nur ein Endspiel mit symbolischem Vorteil. Remis.
Und weiterhin -2, aber es liefen nur noch zwei Partien. Schindli war seit langem mal wieder eingesprungen und hatte sich vorgenommen, schnell zu spielen. Das gelang und für Aljechin erschien mir auch die Eröffnungsphase gegen Arthur passabel. Ob aber Weiß dennoch einigen lästigen Druck behielt oder Schindli später ein Fehler unterlief, habe ich von außen nicht ermitteln können. Es blieb jedenfalls ein hoffnungsloses Endspiel mit Minus-Qualität übrig.
Sebi musste schon frühzeitig gegen Lars ein unangenehmes Endspiel mit Springer gegen Läufer verteidigen. Ich kann nur vermuten, dass die Engine das zusammen hält, aber am Brett ist es nicht einfach. Ein bis zwei Bauernopfer für Struktur/Festungsbau waren jedenfalls nicht erfolgreich, aber die Details muss die Analyse klären.
Auch hier das bessere Ende für die Leipziger, die am Ende etwas zu hoch, aber verdient gewannen.
Der böse Wolf hat unser Tabellenfundament bzw. unser(e) Häuschen aus den ersten Runden umgepustet. Jetzt muss ein neues her - am besten natürlich aus Stein.
Reyk
Disclaimer: Aktualität sticht für diesen Bericht im Zweifel die Genauigkeit bei der Wiedergabe der Partieverläufe nebst Stellungsbewertung.
Bildquellen: Drei kleine Schweinchen; Wikipedia; w:Three Little Pigs - and mother sow - Project Gutenberg eText 15661
Leonard Leslie Brooke (1862-1940) - http://www.gutenberg.org/etext/15661
Rest: Eigener Bestand
| SG Leipzig | SG 1871 Löberitz | ||
|---|---|---|---|
| 1 | IM Dac-Vuong Nguyen, Alex | FM Stein, Robert | ½ |
| 2 | FM Natsidis, Christoph | FM Kitze, Alexander | ½ |
| 3 | Urban, Lars | Pallas, Sebastian | 1-0 |
| 4 | Neuhoff, Laertes | Schütze, Norman | 1-0 |
| 5 | FM Rösemann, Rainer | Böhm, Christian | 0-1 |
| 6 | Richter, Leonard | Pröhl, Holger | 1-0 |
| 7 | Henning, Marvin | Mertens, Fridolin | 1-0 |
| 8 | Herrmann, Arthur | Schindler, Christian | 1-0 |
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